Wien - Unter dem Druck der Deadline wurde Mittwochnacht den Wettbewerbshütern in Brüssel ein modifiziertes Paket vorgelegt. Damit dürfte die intern "Ösl" (Österreichische Stromlösung) genannte Fusion den EU-Segen erhalten. Bis zuletzt hatte es sich wegen der steirischen Verbundbeteiligung gespießt. Jetzt soll der Verbund seinen Anteil an der Großkundengesellschaft APC (55 Prozent) an die steirische Energieholding Estag verkaufen. Auch der Großhandel des Landesversorgers Steg/Steweag wird mit der APC zusammengelegt.

Ausgefuchste Konstruktion

Sinn dieser ausgefuchsten Konstruktion: An der Steg/Steweag ist der Verbund beteiligt, an der Estag aber nicht. Konkret hält der Verbund knapp 35 Prozent an der Landesgesellschaft in der grünen Mark. Dass der Verbund sowohl Großkundeninteressen bei der Ösl als auch bei Steg/Steweag hatte, wollte die Kommission nicht akzeptieren. Dieser gordische Knoten sei nun gelöst worden, meinen Insider. Die APC verkauft im Jahr drei Terawattstunden (TWh) Strom, das sind zehn Prozent der Verbund-Erzeugung.

In der Ösl wollen Verbundgesellschaft und EnergieAllianz (Bewag, Energie AG Oberösterreich, EVN, Linz AG, Wien Energie) internationalen Handel und Großkundengeschäft zusammenspannen. Bei Letzterem dominiert die Allianz mit zwei Drittel der Anteile, beim Handelshaus hält der Verbund 66,6 Prozent.

Signale einer Zustimmung

Durch den Verkauf der APC an die Estag würde ein veritabler neuer Player im Großkundengeschäft entstehen, der in diesem Segment jährlich sechs bis 6,5 Terrawattstunden absetzt und österreichweit knapp 20 Prozent Marktanteil hält. Mit dem neuen Vorschlag wird gleichzeitig die künftige Ösl zurechtgestutzt, räumen Insider ein. Die fusionierte Großkundengesellschaft e & s (Verbund plus EnergieAllianz) komme künftig statt den ursprünglich geplanten elf Terawattstunden auf nur noch sieben im Jahr.

Signale einer Zustimmung der EU-Kommission habe es schon für die anderen Zugeständnisse gegeben: Der Verbund stellt den nicht an der Stromlösung beteiligten Gesellschaften ein Kontingent von drei Terrawattstunden Verbund-Wasserkraftstrom zu Marktpreisen zur Verfügung. Weiters habe Verbund und Energie AG Oberösterreich eingeräumt, ihre Stimmrechte bei ihren Beteiligungen in Kärnten (Verbund) bzw. Salzburg (EAG) zumindest bis 2007 in wettbewerbsrechtlichen Fragen nicht zu nutzen. Bis 2007 gilt Österreich als der relevante Markt zur Beurteilung der Teilfusion. Danach soll überprüft werden, ob im Zuge der Liberalisierung der Markt weiter zu fassen ist.

Warten auf Monti In der Ösl hofft man nun, dass Brüssel die Vorschläge eins zu eins akzeptiert und dass Wettbewerbskommissar Mario Monti den Deal spätestens am 17. Juni offiziell absegnen wird. In ähnlichen Verfahren hat Monti schon rund zwei Wochen vor Fristende seinen Segen gegeben, setzen die Austro-Strompartner auf das Prinzip Hoffnung. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.5.2003)