San Francisco - Sonderbelastungen wegen Umstrukturierungen und Entlassungen haben dem weltgrößten Produzenten von Maschinen für die Chip-Herstellung, Applied Materials, in seinem zweiten Geschäftsquartal einen Verlust nach einem Vorjahresgewinn beschert. In den drei Monaten sei ein Netto-Verlust von 62 Mio. Dollar (53,8 Mio. Euro) oder vier Cent je Aktie nach einem Gewinn von 52 Mio. Dollar oder drei Cent pro Anteilschein vor einem Jahr entstanden, teilte das im kalifornischen Santa Clara ansässige Unternehmen am Dienstagabend nach New Yorker Börsenschluss mit. Durch die Umstrukturierung seien dem Unternehmen in dem am 27. April abgeschlossenen Quartal Belastungen von 151,7 Mio. Dollar entstanden.

Gewinn ohne Sonderkosten über Erwartungen

Ohne diese Aufwendungen wäre ein Gewinn von 44,8 Mio. Dollar oder drei Cent je Aktie ausgewiesen worden, was die Erwartungen von Analysten übertraf. Diese hatten auf dieser Basis einen Gewinn von zwei Cent je Aktie vorausgesagt. Das Unternehmen selbst hatte für die drei Monate vor außerordentlichen Faktoren einen Gewinn von ein bis zwei Cent erwartet. Das Ergebnis der Vorjahreszeit war nicht durch Einmalaufwendungen belastet.

Umsatzrückgang

Der Umsatz sei auf 1,11 Mrd. von 1,16 Mrd. Dollar in der Vorjahreszeit gesunken, teilte Applied Materials mit. Deutlich zurückgegangen sei auch der Auftragseingang um 42 Prozent auf 971 Mio. Dollar. Damit sank das Auftragsvolumen erstmals seit Oktober 1998 unter eine Milliarde Dollar. Der Auftragsstand lag bei 2,76 (3,05) Mrd. Dollar.

Erholung erwartet

Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2002/03 (27. Oktober) rechnet Applied Materials im Vergleich zum ersten Halbjahr mit einer leichten Erholung der Investitionen durch die Chipindustrie. Die Aktien des Unternehmens gaben nachbörslich bis 0.30 Uhr MESZ um 2,6 Prozent auf 15,16 Dollar nach gegenüber 15,56 Dollar beim Nasdaq-Schluss.

Umstrukturierungen

Im März hatte das Unternehmen den Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen und die Schließung einiger Büros angekündigt. Damit sollen in jedem der kommenden Quartale 100 Mio. Dollar eingespart werden. Mit diesen jüngsten Kündigungen hat das Unternehmen seit September 2001 insgesamt 5.450 Stellen gestrichen. Applied Materials zählt zur Zeit noch 12.000 Beschäftigte. Als Ergebnis der Umstrukturierung waren im März andererseits Belastungen vor Steuern von 425 Mio. Dollar in vier Quartalen erwartet worden. Zudem hatte Applied Materials den Rücktritt von CEO James Morgan bekannt gegeben und den ehemaligen Intel-Manager Michael Splinter als dessen Nachfolger berufen. (APA/Reuters/vwd)