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Ende eines Tunfischlebens

Foto: Reuters/Gentile

London/Kiel - Die Zahl von Tunfischen, Schwertfischen und anderen großen Raubfischen in den Weltmeeren sinkt dramatisch. Um bis zu 90 Prozent sind die Bestände seit Beginn des kommerziellen Fischfangs in den fünfziger Jahren zurückgegangen, berichtet ein deutsch-kanadisches Forscherteam im britischen Fachblatt "Nature". Für den Erhalt der Artenvielfalt müssten nun schleunigst weltweit Schutzmaßnahmen ergriffen werden, etwa eine deutliche Beschränkung der Quoten und eine Reduzierung des unerwünschten Beifangs.

Langzeitstudie

Über einen Zeitraum von fast 50 Jahren hatten Ransom Myers von der Dalhousie Universität in Halifax (Nova Scotia/Kanada) und der Kieler Meeresbiologe Boris Worm die Entwicklung der Raubfisch-Bestände zurückverfolgt. Sie analysierten Daten zu den Populationsgrößen in neun offenen, sowie vier küstennahen Meeren, dem so genannten Kontinentalschelf. Dass die Bestände seit den Anfängen der kommerziellen Fischerei kontinuierlich geschrumpft sind, ist zwar bekannt, das Ausmaß der Zerstörung der Ökosysteme war jedoch auch für die Experten überraschend.

Selbst in den offenen Meeren, wo Wissenschafter bislang noch relativ unberührte Populationen vermutet hatten, sind die Bestände innerhalb kürzester Zeit auf zehn Prozent ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft. Machen Fischer erst einmal in großem Maßstab Jagd auf eine Art, seien im Durchschnitt 15 Jahre ausreichend, um eine Spezies derart zu minimieren, schreiben die Experten.

Ganze Ökosysteme bedroht

Ein fast ebenso starker Rückgang ist bei den Beständen im Kontinentalschelf festzustellen. So hat etwa die Zahl von Haien und Rochen im Golf von Thailand innerhalb von fünf Jahren nach Beginn des industriellen Fischfangs um 60 Prozent abgenommen. Ihre Daten zeigten, dass nicht nur einzelne Arten in einigen Regionen, sondern komplette Ökosysteme von den Tropen bis zu den Polen vom Aussterben bedroht sind, berichten die Experten weiter.

Häufig werde der Rückgang einzelner Arten durch das gleichzeitige Anwachsen anderer Populationen kompensiert. Dass die Fischer dann oft diese stabilen Bestände bejagten, trage zum Kollaps der Ökosysteme bei. Ihre Untersuchung liefere die Basisdaten, die für die Einführung erfolgreicher Schutzmaßnahmen notwendig seien. Die ältesten bisher vorhandenen Daten wurden erst einige Zeit nach Beginn der kommerziellen Fischerei erhoben, also zu einem Zeitpunkt, als die Bestände schon erschreckend geschrumpft waren. Deswegen gingen selbst Experten bei der Festlegung von Schutzzielen und wünschenswerten Populationsgrößen von viel zu geringen Ursprungswerten aus. (APA/dpa)