Wien/St. Pölten - Ist das Auto gegen Hagelschäden versichert oder nicht? Das ist für Fahrzeuglenker jetzt eine wichtige Frage, denn die Haftpflichtversicherung allein reicht nicht aus, um Hagelschäden am Auto zu begleichen. Darauf macht jetzt ARBÖ-Verkehrsjuristin Barbara Auracher-Jäger aufmerksam. Hagel- und Sturmschäden seien nämlich nur durch Kaskoversicherungen gedeckt. Nach Angaben der Allianz-Elementar-VersichungsAG ist beispielsweise in Wien überhaupt nur jeder dritte Autofahrer gegen derartige Schäden versichert.

Schwierig auch die Sachlage bei umstürzenden Bäumen oder herabfallenden Dachziegeln. Da muss der oder die Geschädigte nachweisen können, dass etwa ein Baum schon vor dem Unwetter morsch - und damit eine Gefahr - war, um Entschädigungsansprüche geltend machen zu können.

Obst, Wein, Bücher

Mittlerweile hat man bei der Österreichischen Hagelversicherung die Schadenssumme kräftig nach oben revidiert. War am Mittwochabend noch von ein paar Hunderttausend Euro Schaden die Rede, schätzt Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger diesen in ganz Österreich nun auf sechs Millionen Euro. Sachverständige hätten bisher erhoben, dass Obst-, Wein- und Gemüsekulturen auf rund 6000 Hektar beschädigt worden seien. Weinbauern haben bereits berichtet, dass junge Triebe an den Reben von Hagelkörnern abgeschlagen worden seien und es nun dauern könne, bis neue Triebe entstünden.

1000 Bücher der Nationalbibliothek nass

Die rund 61 Liter Wasser, die je Quadratmeter aus den Wolken prasselten, haben rund 1000 Feuerwehrleute auf Trab gehalten, um Keller auszupumpen, Straßen und Unterführungen zu sichern oder das abgedeckte Dach der Wiener Universitätsbibliothek abzudichten. Dort sind rund 1000 Bücher nass geworden. Sie werden nun bei Iglo schockgefroren, um sie vorübergehend zu konservieren. Bald werden sie dann bei der Österreichischen Nationalbibliothek restauriert.

Zum Wochenende soll es wieder schön werden

Vorerst hat es ausgehagelt, auch der Schnee auf der steirischen Stolzalpe blieb nicht liegen. Zum Wochenende soll es schön werden. Bei der Zentralanstalt für Geodynamik und Meteorologie wurde die Intensität der Hagelschauer als ungewöhnlich vermerkt, ebenso der jahreszeitlich frühe Zeitpunkt.

Normalerweise würden derlei Wetterphänomene, die immer im Zusammenhang mit Gewittern stehen, Anfang Juni auftreten. Aufzeichnungen der Münchener Rückversicherung hätten ergeben, dass Österreich - weltweit betrachtet - ein Hagelzentrum sei. (aw, DER STANDARD Printausgabe 15.5.2003)