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Im Pub: Ob Charles Windsor sein Getränk in Zukunft in Euro bezahlen muss, ist noch nicht ganz durch.

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In 13 EU-Staaten wird über den hohen Wechselkurs des Euro debattiert - in zwei anderen über dessen Einführung: Während in Großbritannien der Druck auf Premier Tony Blair wächst, endlich über ein Euro-Referendum zu entscheiden, hat sein schwedischer Kollege Göran Persson in dieser Woche die "Ja"-Kampagne für die bevorstehende Volksabstimmung gestartet.

Für Großbritannien wird der 9. Juni der Tag der Wahrheit: Wie ein Blair-Sprecher am Donnerstag mitteilte, wird der Premier an jenem Tag im Unterhaus seine Pläne für den Euro vorstellen. Es gilt als sicher, dass der Labour-Chef das anvisierte Referendum aufschieben wird. Denn nicht nur eine nach jüngsten Umfragen 60-prozentige Mehrheit der Bürger sondern auch Blairs Parteirivale und Finanzminister, Schatzkanzler Gordon Brown, will die europäische Gemeinschaftswährung nicht so rasch auf der Insel sehen.

Wirtschaft uneins

Die Wirtschaft ist uneins: Ein Pro-Euro-Aufruf von 25 Unternehmern in der Vorwoche steht früheren Anti-Euro-Stellungnahmen anderer Bosse gegenüber. Auch der konservative Oppositionschef Iain Duncan Smith versprach nun Widerstand gegen die Währung, obwohl seine Partei - wie Blairs Labour - in der Frage gespalten ist.

Zunächst aber hält Brown das Heft in der Hand. Blair hatte ihm faktisch die Entscheidungsmacht übertragen, indem er ihm erlaubte, mit fünf ökonomischen Tests die Eurofähigkeit Britanniens zu prüfen. Nun sieht es so aus, als ob Brown die Wirtschaft noch nicht für Euro-reif halten will.

Schwedens Premier offensiv

Anders als der heimliche Eurofreund Blair setzt sich sein schwedischer Amtskollege Persson umso offensiver für die Gemeinschaftswährung ein: Er will beim Referendum am 14. September ein "Ja" erwirken. Doch noch sind nicht nur fünf seiner Minister sondern auch die Gewerkschaften nicht überzeugt. Unter den Bürgern sind laut Umfragen 47 Prozent gegen den Euro und maximal 40 dafür.

Vielleicht werden Briten und Schweden aus Europas neuem Osten überholt: Laut einer Reuters-Umfrage halten Analysten Polen, Ungarn und die Slowakei 2008 für Euro-fit. Sloweniens Finanzminister Dusan Mramor sieht sein Land schon 2007 in der Eurozone. (Jörg Wojahn, DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.5.2003)