Wien - Eine Wiener Justizwachebeamtin, die aus Liebe einen Häftling acht Monate hindurch in ihrer Wohnung versteckt hatte, muss sich am kommenden Dienstag im Straflandesgericht verantworten.

Die Anklage lautet auf Missbrauch der Amtsgewalt. Julia S. (29) hatte dem 42-jährigen Erich B. von Oktober 2001 bis Juni 2002 bei sich Unterschlupf gewährt. Die beiden haben inzwischen geheiratet. Die Frau ist nach Auffliegen der ungewöhnlichen Love-Story freiwillig aus dem Staatsdienst ausgeschieden.

Geldbetrug

Die Staatsanwaltschaft Wien sieht durch das Verhalten der Ex-Beamtin die Republik im Recht auf Strafverfolgung geschädigt, wie es im Strafantrag heißt. Der wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verurteilte Mann - er hatte ausgerechnet einem Polizisten um 109.000 Euro gebracht - hätte bis zum Mai 2003 seine Haftstrafe abzusitzen gehabt.

Freigang

Erich B. nützte allerdings einen Freigang, den man ihm in der Justizanstalt Wien-Simmering für einen Spitalbesuch gewährte, um sich außerhalb der Gefängnismauern mit "seiner" Justizwachebeamtin zu treffen. In einem Kaffeehaus funkte es zwischen den beiden dann so richtig. Der Mann kehrte nicht mehr ins Gefängnis zurück.

Haftstrafe droht

Seiner habhaft wurde man erst, als ein früherer Mithäftling des Mannes zufällig auf der Straße dem turtelnden Paar begegnete. "Romeo" Erich B. musste zurück ins Gefängnis, wo ihm seine Julia im August 2002 das Ja-Wort gab. Der geständigen Angeklagten droht jetzt eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. (APA)