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Einer der Angeklagten in Den Haag: Ratko Mladic.

Foto: Reuters/ Str

Belgrad - Die Bosniaken in der ehemaligen Moslem-Enklave Srebrencia hätten die Wahl zwischen "Überleben oder Verschwinden" - abhängig davon, ob sie die Waffen niederlegen oder nicht. Dies hatte der ehemalige bosnisch-serbische Militärführer Ratko Mladic laut Videoaufnahmen nach der Eroberung von Srebrenica durch bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 gesagt. Die Aufnahmen wurden am Freitag im Prozess gegen drei bosnisch-serbische Offiziere vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgestrahlt.

Mladic sagte demnach in Gesprächen mit dem Kommandanten des damaligen UNO-Bataillons in Srebrenic, Tom Kaeremans, und mit Bosniaken, dass die Bosniaken ihre Waffen niederlegen müssten. Er persönlich würde dann für ihre Sicherheit garantieren. Danach könne auch die Zivilbevölkerung wählen, ob sie weggehen oder in Srebrenica bleiben wolle.

"Überleben oder Verschwinden"

Bei einem der Treffen mit Mladic am 11. Juli in der bosnischen Grenzstadt Bratunac hatte Kaeremans Mladic über die äußerst schwierigen Verhältnisse unterrichtet, in denen sich die Srebrenica-Einwohner befanden, die nach der Eroberung von Srebrenica Zuflucht im UNO-Stützpunkt Potocari gefunden hatten. Unter den 15.000 bis 20.000 Stadtbewohnern gab es auch 88 Verwundete. Es fehlte an Nahrung, Arzneien und Brennstoff. Zwei Tage später hatte Mladic ein Treffen mit "jenen Bosniaken" verlangt, die über die Übergabe von Waffen reden konnten und dabei erneut erklärt, dass die Stadtbewohner zwischen "Überleben oder Verschwinden" wählen könnten.

Der Prozess gegen den einstigen Kommandanten der Bratunac-Brigade, Vidoje Blagojevic, den Stabschef der Zvornik-Brigade, Dragan Obrenovic, und den Kommandanten der Ingenieurabteilung der Zvornik-Brigade, Dragan Jokic, begann am Dienstag. Sie müssen sich wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. In Srebrenica wurden im Juli 1995 nach internationalen Angaben 7.000 bis 8.000 Männer im Alter zwischen 16 und 66 Jahren ermordet. Carla del Ponte: Mladic ist in Serbien

Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, hat zudem zum wiederholten Male erklärt, dass sich der ehemalige bosnisch-serbische Militärführer Ratko Mladic in Serbien aufhalte. Wie der Belgrader Sender "B-92" berichtete, habe Del Ponte "neueste Informationen", wo sich der vom UNO-Tribunal Angeklagte verstecke. "Wann immer Den Haag Informationen über die Bewegung von Radovan Karadzic und Mladic hat, liefert es diese der serbischen Seite", soll Del Ponte auf eine entsprechende Frage geantwortet haben. (APA)