Tel Aviv - Israel lehnt einen Waffenstillstand mit der radikalen Palästinenserbewegung Hamas offenbar ab. Es gebe Führer innerhalb der Hamas, die an einem solchem Waffenstillstand aus taktischen Gründen interessiert seien, sagte ein hochrangiger israelischer Sicherheitsbeamter, der ungenannt bleiben wollte, am Freitag in Tel Aviv. Ihnen gehe es aber vor allem um eine Atempause, um ihre Kräfte im Westjordanland neu zu formieren. Aus israelischer Sicht sei dies "eine Geschichte, die nicht funktionieren wird".

Der Sicherheitsexperte warnte vor einem sich ausweitenden Machtkonflikt zwischen dem neuen palästinensischen Regierungschef Mahmud Abbas und Präsident Yasser Arafat. Das Problem sei, dass "ungefähr 75 Prozent der (palästinensischen) Sicherheitskräfte unter dem direkten Kommando von Arafat bleiben". Dieser habe ihnen seit dem Beginn der zweiten Intifada 2000 "kein einziges Mal" den Befehl gegeben, der "Gewalt um jeden Preis ein Ende zu setzen." Abbas und Arafat bildeten eine Doppelspitze, zwischen denen der Graben immer größer werde.

Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin hatte dem palästinensischen Regierungschef Abbas eine "Kapitulationspolitik" gegenüber Israel vorgeworfen. Die von Israel erhobene Forderung, Abbas müsse die militanten Gruppen entwaffnen, sei "unannehmbar" und werde von "allen Palästinensern abgelehnt", erklärte Yassin. Die Hamas werde das neue Kabinett daran messen, wie es die israelische Besatzung bekämpfe. Hamas (Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes") wurde in den Achtzigerjahren von Scheich Yassin in Gaza gegründet, angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste, um Arafat zu schwächen. Yassin hatte wiederholt erklärt, dass Selbstmordanschläge bis zur Befreiung Palästinas fortgesetzt würden.(APA)