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Symbolfoto. Arbeiten muss Edyta aus Polen immer noch schwarz.

Foto: APA/GUENTER R. ARTINGER

Nie im Leben wollte sie Putzfrau werden, sagt Edyta. In Polen hat sie eine Landwirtschaftsschule absolviert und vom eigenen Betrieb geträumt. Ihr Mann und sie haben sechs Hektar Land, bauen Weizen, Gerste und Raps an, doch von sechs Hektar kann man nicht leben. Seit Polen in der EU ist, kassieren sie EU-Förderung, umgerechnet 900 Euro pro Jahr. Das macht die Sache nicht viel besser. "Wir sind arm. Nur weil wir ein bisschen Land besitzen, bekommt meine Tochter kein Stipendium."

Vor vier Jahren hatte ihre Cousine eine Idee: Putzen in Wien. "Wir haben einen gemeinsamen Kundenstock aufgebaut, und wir wechseln uns im Monatsrhythmus ab." So konnte jede auch Zeit mit der Familie verbringen. Seither wohnen Edyta und Beata in einer polnischen Putzfrauen-WG im dritten Bezirk. Aus der Wohngemeinschaft sind in der Zwischenzeit Freundschaften entstanden. Am Anfang reichte das Geld kaum aus, auch nicht für eine Monatskarte für die U-Bahn. "Eine Kundin hat uns ein Fahrrad geschenkt. Wir sind das ganze Jahr über durch die Stadt geradelt. Am Ende eines Arbeitstages ist das hart."

Schwarzarbeit

Mittlerweile benutzt sie die öffentlichen Verkehrsmittel ganz legal. Arbeiten muss sie immer noch schwarz: "Bis heute hat mich niemand geringfügig angestellt." Natürlich wäre das großartig, sagt sie, aber die bürokratischen Hürden zwischen Polen und Österreich waren bisher mühsam. Die zweite Barriere ist die Sprache. Edyta ist 40, spricht polnisch und russisch. "Englisch oder Deutsch zu lernen war zu meiner Zeit nicht üblich. Früher war es sogar verboten."

Der 1. Mai 2011 wird die Situation erleichtern. "Ich bin froh, dass die Arbeitsgrenzen gelockert werden", sagt Edyta. "Gleichzeitig stelle ich damit neue Ansprüche an mich und strebe jetzt einen legalen Job an." Ihr erster Schritt dahin: ein Deutschkurs an der Volkshochschule. "Nächste Woche geht es los, zweimal die Woche um 20 Uhr, das sollte sich ausgehen."

Für Polen selbst, meint die ausgebildete Landwirtin, werde sich die Situation in den nächsten Jahren erst einmal verschlechtern. "Die jungen Leute haben keinen Job, sie stehen Schlange, um endlich auszureisen und einen anständigen Beruf in der EU zu ergreifen. Viele wertvolle Arbeitskräfte werden verloren gehen." Und sie selbst? "Putzfrau ist nicht mein Traumjob." Sobald sich die wirtschaftliche Lage erholt hat, möchte sie zurück nach Polen, um auf dem Feld zu arbeiten: "Das ist mein Leben." (Wojciech Czaja/DER STANDARD; Printausgabe, 30.4./1.5.2011)