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Jubelstimmung in den USA: Hier wird in der Nähe von Manhattans "Ground Zero" gefeiert.

Foto: AP/DeCrow

Frankfurt - Der Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat am Montag die Anleger nur kurz in den Dollar getrieben. Trotz der andauernden Schuldenkrise in der Euro-Zone griffen viele rasch wieder beim Euro zu und trieben den Kurs auf 1,4850 Dollar, womit die Gemeinschaftswährung nur knapp unter dem am Donnerstag erreichten 2-1/2-Jahres-Hoch von 1,4881 Dollar notierte. Nach Bekanntwerden des Todes Bin Ladens in der Nacht war der Euro im fernöstlichen Handel auf etwa 1,4770 Dollar gerutscht, nachdem er den späten US-Handel am Freitag mit 1,4805 Dollar beendet hatte.

"Vielen Investoren kam der Schwächeanfall gelegen, da sie damit den Euro relativ günstig kaufen konnten", sagte ein Händler. Selbst der Wunsch des griechischen Finanzministers Giorgos Papaconstantinou für mehr Zeit bei der Rückzahlung der Milliardenhilfen bremste den Euro kaum. Auch Meldungen aus Finnland, wonach die Euro-kritische Partei "Wahre Finnen" das Hilfspaket für Portugal und den permanenten EU-Rettungsschirm nicht mittragen wollen, fanden keinen Niederschlag in den Devisenkursen.

Händler beschrieben den Devisenhandel am Montag insgesamt als sehr ruhig. Viele britische Anleger fehlten, da die Börse in London den auf einen Sonntag gefallenen Mai-Feiertag nachholte. Damit seien manche Kursbewegungen übertrieben. "Wie der Markt das wirklich einschätzt, sehen wir morgen", sagte ein Händler. In Japan werden die Börsen am Dienstag und Mittwoch geschlossen bleiben, was den Umsatz schrumpfen lassen dürfte.

Trichet: "Umfeld bleibt schwierig"

"An der Tatsache, dass ein Ende der lockeren Fed-Geldpolitik bis auf weiteres nicht in Sicht ist, hat sich nichts geändert", brachte Katsunori Kitakura, Chef-Händler der Chuo Mitsui Trust Bank, die Stimmung auf den Punkt. EZB-Chef Jean-Claude Trichet warnte zwar anlässlich der Amtseinführung des neuen Bundesbankchefs Jens Weidmann davor, die Finanzkrise ad acta zu legen. Das Umfeld bleibe schwierig, erklärte Trichet. "Die Krise ist nicht vorbei." Doch hatte die EZB im April eine vorsichtige Abkehr von der krisenbedingten ultra-lockeren Geldpolitik eingeleitet und damit dem Euro auf längere Sicht einen Zinsvorteil zum Dollar verschafft. Denn in den USA sieht es nach wie vor nicht nach einer baldigen Zinswende aus.

Am Donnerstag wird zwar auch die EZB erst einmal die Zinsen nicht weiter erhöhen. Doch schon im Sommer dürfte der nächste Schritt anstehen, mit dem der Leitzins in der Euro-Zone voraussichtlich um 25 Basispunkte auf dann 1,5 Prozent steigen wird. In den USA liegt der Leitzins dagegen nahe null Prozent.

Am Rentenmarkt gaben die Kurse der Staatsanleihen meist nach, was Händler vor allem mit dem Anstieg der Aktienmärkten begründeten. So gab er Bund-Future bis zu 39 Ticks auf 122,53 Punkte nach. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 3,273 (Freitag 3,236) Prozent. Auch die Rendite der zehnjährigen griechischen Anleihe zog leicht auf 15,97 Prozent (15,86) Prozent an.

Aktienmärkte weiter im Aufwind

Weiterhin im Aufwind befinden sich die Aktienmärkte. Die Nachricht vom Tod des Terror-Paten sorge weltweit für Erleichterung, sagte ein Börsianer. Der Dax kletterte zu Beginn um bis zu 1,1 Prozent auf 7.600,41 Zähler und notierte damit so hoch wie zuletzt im Jänner 2008. Am frühen Nachmittag lag er noch 0,8 Prozent im Plus. Der EuroStoxx50E gewann in der Spitze 0,6 Prozent, in Tokio war der Nikkei-Index um 1,6 Prozent vorgerückt. An den US-Börsen deuteten die Terminkontrakte auf ebenfalls steigende Kurse hin. "Für die Amerikaner war es eine Frage der Ehre, Osama bin Laden zu bekommen", sagte ein deutscher Aktienhändler.

Am Ölmarkt macht sich nach Einschätzung der Commerzbank-Analysten die Erwartung breit, dass mit dem Tod des Al-Kaida-Führers die "Terrorgefahr zurückgehen und damit auch die Risikoprämie beim Ölpreis sinken könnte". Selbst wenn es zu Racheaktionen komme, so dürfte nach Einschätzung von Ben Westmore, Rohstoff-Experte der National Australia Bank, die Ölversorgung nicht unterbrochen werden.

Der Aktienstratege der Bremer Landesbank, Wolfgang Duwe, bezweifelte allerdings, dass der Tod Bin Ladens an den deutschen Märkten länger wirkt. "Politische Börsen haben in der Regel kurze Beine", sagte er. Seiner Ansicht nach dürften in den kommenden Wochen vor allem das im Markt reichlich vorhandene Geld und gute Unternehmensergebnisse für weiter steigende Kurse sorgen.(APA/Reuters)