Am Ersten Mai, dem Tag der Arbeit, haben traditioneller Weise weltweit Demonstrationen gegen Sozialabbau und für bessere Arbeitsrechte stattgefunden. Neben den gewerkschaftlich organisierten Paraden sind auch die prekär Arbeitenden auf die Straße gegangen, wie in Wien, wo am Sonntag nach zweijähriger Pause die MayDay-Parade gegen die "Entsicherung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse" mobilisierte. Rund 2.000 AktivistInnen und SympathisantInnen versammelten sich nachmittags am Wiener Wallensteinplatz und zogen dann ihre weite Route von der Peripherie in die Wiener Innenstadt bis zum Omofuma-Denkmahl beim Museumsquartier. 

Tag der Arbeit für Parteipolitik

Beim Mai-Aufmarsch der SPÖ nahmen laut Veranstalter mehr als 100.000 Menschen teil. Im Wiener Prater wurden klassenkämpferische Töne angeschlagen und soziale Gerechtigkeit eingemahnt. Die ÖVP hielt in ihrer Politischen Akademie die traditionelle Arbeitssitzung ab und stellte dort den Leistungsgedanken in den Mittelpunkt. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache nutzte die Kundgebung in einem Bierzelt am Urfahraner Jahrmarkt in Linz dazu, die Arbeitsmarktöffnung heftig zu kritisieren. Ebenfalls in Linz veranstalteten die Grünen ihren Zukunftskongress. Sie forderten dabei eine Investitions-Offensive für neue Jobs sowie eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes.

Internationale Proteste

Bei den Gewerkschafts-Aufmärschen in Frankreich gingen heuer weniger DemonstrantInnen als vergangenes Jahr auf die Straße, als rund 195.000 Menschen gegen die umstrittene, aber nun beschlossene Pensionsreform protestierten. Heuer sollen es nach Angaben des Innenministeriums rund 77.000 DemontrantInnen gewesen sein. Die größte französische Gewerkschaft CGT geht hingegen von 120.000 TeilnehmerInnen aus.

Die Französinnen und Franzosen trieb vor allem der Unmut über die hohe Arbeitslosigkeit und zunehmende Armut auf die Straße. Gleichzeitig zeigte man Solidarität mit den Revolutionen in der arabischen Welt. Auch Nicolas Sarkozys unpopuläre Pensionsreform erregt öffentlichen Ärger: Er setzte Gehaltslimits für StaatsdienerInnen und die Anhebung des Pensionsantrittsalters um zwei Jahre auf 62 durch.

Weniger Beteiligung in Griechenland

In Griechenland beteiligten sich 2011 weniger Menschen an den Erster Mai-Demos als die letzten Jahre. Die Polizei spricht von nur 5.000 DemonstrantInnen, die Gewerkschaften von 12.000. Letztere kündigten aber weitere große Aktionen im Mai an, die den "öffentlichen Missmut" mit den Sparmaßnahmen im Land besser reflektieren würden. "Heute war es eine vorrangig symbolische Parade, um diejenigen zu ehren, die für die Rechte der ArbeiterInnen gekämpft haben", sagte der  Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, "und wir rufen die Menschen auf, am 11. Mai auf die Straße zu gehen, um Nein gegen eine Politik zu sagen, die uns ärmer macht." Dann soll 24 Stunden lang protestiert werden, um gegen die Rekordarbeitslosigkeit von 15,1 Prozent ein Zeichen zu setzen.

Demo in Istanbul

In Istanbul fand heuer die zweite "Erster Mai"-Parade statt: Am Taksim-Platz versammelten sich einige tausende GewerkschafterInnen und Linke. Seit 1980 waren derartige Demonstrationen verboten, illegale Aufmärsche wurden von der Polizei - auch gewaltsam - aufgelöst.

Arbeitsrechte für Frauen in Baghdad gefordert

In der irakischen Hauptstadt Baghdad protestierten Hunderte, vor allem Mitglieder der Kommunistischen Partei, für mehr Arbeitsplätze und gleiche Arbeitsrechte für Frauen. Sie zogen friedlich durch die Straßen zum Firdous-Platz, und riefen" Der Erste Mai ist der Tag der Arbeiter". In Irak leben 23 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Frauen stellen nur einen kleinen Teil der Erwerbstätigen. (red/Reuters/APA)