Jahrestage. In etwa sechs Wochen sind es 70 Jahre, dass Hitlerdeutschland die Sowjetunion überfallen hat. Dieser Krieg war der Krieg, den Hitler schon immer führen wollte, ein Krieg um "Lebensraum". Geplant und großteils in die Praxis umgesetzt war ein Weltanschauungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg: Kommunistische Kader und Juden wurden liquidiert, die Zivilbevölkerung dezimiert, was übrigblieb, sollte den deutschen Herrenmenschen als Sklaven dienen ("Plan Ost").

Dieser Krieg war der Kulminationspunkt der NS-Ideologie von den Schwachen, die ausgerottet oder unterworfen werden sollten. Millionen deutscher Soldaten machten unwillig, gezwungen, aber auch begeistert mit. Auch bei monströsen Kriegsverbrechen mit Millionen Opfern. Millionen deutsche Soldaten zahlten in diesem Krieg mit ihrem Leben, Unschuldige, aber auch die vielen Schuldigen.

All das ging am 8. Mai 1945 mit der kompletten Niederlage des Dritten Reiches zu Ende. Seit Jahren veranstalten schlagende Burschenschaften auf dem Wiener Heldenplatz aus diesem Anlass ein "Heldengedenken", das, wie auch die entsprechende Rhetorik beweist, letztlich ein Betrauern der Niederlage der Nazis ist.

Die Veranstalter haben sich eine Rechtfertigung zusammengebastelt, wonach "alle" Opfer dieses Krieges betrauert werden, die vergasten und erschossenen Juden, Roma und russischen, polnischen, serbischen etc. Zivilisten, die gefallenen Soldaten der Alliierten ebenso wie die zivilen Opfer des Luftkrieges (des deutschen wie des alliierten), die Wehrmachtssoldaten bis hin zu den SS-Massenmördern.

Das ist erstens eine Lüge. Aus dem Kontext der Trauerfeiern und der Äußerungen dazu geht klar hervor: Hier wird einseitig nur die deutsche Niederlage betrauert. Zweitens ist es unmöglich, gleichzeitig und gleichsetzend der Opfer und der Täter zu gedenken.

Diese Burschenschaftsfeier, die heuer von der extremsten Verbindung, der Olympia, veranstaltet wird, ist eine rechtsextreme Kundgebung, sonst nichts. Auch dann, wenn FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der heuer die Hauptrede halten soll, ein paar distanzierende Worte zum Hitler-Regime und eine vernebelnde Formulierung für "alle Opfer" finden sollte.

In bürgerlichen Zeitungen wird gerätselt, warum Strache das macht, wo er doch so viel Erfolg bei den unpolitischen Jungen in der Disco hat und die Schmissträger eine winzige Wählergruppe sind.

Das ist klassisches Nichtbegreifen, warum "bürgerlich" und FPÖ unvereinbar sind. Die Strache-FPÖ ist weit stärker als die Haider-FPÖ von den Schmissträgern beherrscht. Im Parlamentsklub sind diese überrepräsentiert, im Wiener Landtagsklub machen sie 50 Prozent aus. Haider war Akademiker und hat Mensuren gefochten (wohlweislich ohne Verletzungen). Strache ist Burschenschafter, hat auch gefochten, ist aber kein Akademiker. Er muss dem wahren Führungskader seiner Partei etwas beweisen - noch dazu nach seiner Israel-Reise.

Dieses Betrauern der Niederlage eines Monsterregimes, die eine Erlösung für die Menschheit war, ist im Grunde eine Negierung des demokratischen Österreich. Straches Teilnahme würde ihn und seine Partei aus allen Regierungskonstellationen ausschließen. In Deutschland. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.5.2011)