Den Schwiegermuttertest hat Karl-Heinz Grasser bravourös bestanden, er durfte Fiona Swarovski heiraten. Denn "Marina Giori-Lhota habe die Geldveranlagungsfähigkeit von Grasser als damaligem Bundesminister für Finanzen testen wollen", heißt es im Protokoll nach Grassers Einvernahme. Eine interessante Mutprobe für einen Mann, der ein Schlüsselressort in der österreichischen Regierung hat. Insgesamt dreimal wurde der Schwiegersohn-Anwärter 2005 und 2006 von der Schweiz aus über die Grenzen auf die Reise geschickt: mit 100.000, 330.000 und 70.000 Euro in bar in der Tasche.

Dass man sich bei diesen Beträgen keine Übernahmebestätigung ausstellen lässt, ist zumindest erstaunlich. Auch der Zeitpunkt ist nicht so klar: War der erste Transport im Mai oder Juli 2005? Verblüffende Erinnerungslücken angesichts eines wohl nicht gerade alltäglichen Botendienstes - übrigens: mit Dienst- oder Privatauto?

Dass Grasser gegen kein Gesetz verstoßen hat, beteuert sein Anwalt Manfred Ainedter: "Zugegeben - die Optik ist schlecht, wenn ein Finanzminister mit Geld im Koffer spazieren fährt. Aber schlechte Optik is net strafbar."

Merkwürdig ist an den Geldtransfers im Koffer im schwiegermütterlichen Auftrag einiges. Die Verschärfung der Bestimmungen, dass Beträge ab 10.000 Euro gemeldet werden müssen, erfolgte kurz nach Grassers Grenzgängen. Die EU erließ allerdings schon 2005 eine Verordnung, wonach die Einfuhr von mehr als 10.000 Euro dem Zoll zu melden ist. Im österreichischen Finanzministerium lag im Jahr 2006, als der Ressortchef mit den letzten Bargeldbündeln unterwegs war, schon eine Novelle zur Begutachtung vor. Als Minister hat er wissen müssen, dass hier eine Änderung vorbereitet wird. So wie während seiner Amtszeit als Finanzminister die Verjährungsfristen für Steuerhinterziehung verkürzt wurden - wovon Grasser jetzt profitiert.

Dass Grasser - im Auftrag der Schwiegermutter - in Meinl-Aktien und -Fonds und schließlich in Genussscheine der Hypo Alpe Adria investiert hat, bestätigt den Eindruck der schiefen Optik: Denn als Minister ist er für die Kontrolle der Institute zuständig. Dass sich Grasser bzw. die Schwiegermutter auch noch der gleichen Briefkastenfirma wie sein Freund Walter Meischberger bediente, wirft weitere Fragen auf - auch wenn Grasser beteuert, mit Meischbergers umstrittenen Buwog-Provisionen nichts zu tun gehabt zu haben.

Bisher konnte dem langjährigen Darling der Nation keine illegale Handlung nachgewiesen werden: Seiner Darstellung nach ist die Schwiegermutter schuld. Er entpuppt sich aber immer mehr als Blender, der zumindest an der Grenze zur Legalität operiert hat. Und diesen Mann wollte Wolfgang Schüssel als Nachfolger an der Spitze der ÖVP durchsetzen, was vor allem Andreas Khol verhindert hat. Schüssel 2007 über Grasser: "Er hätte wunderbar in unser Team gepasst: Als absoluter Schlüsselspieler, als wertvoller Kollege und als erstklassiger Finanzminister. Die Republik kann stolz sein auf seine Leistungen."

Vorerst ist wohl nur Frau Giori-Lhota stolz auf diesen Finanzminister, der einst als Liebling aller Schwiegermütter im Lande galt. Wenn wirklich alles so supersauber gelaufen ist, dann bräuchte Grasser nicht über die "Jagdgesellschaft" klagen und die ÖVP einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht zu blockieren. Außer es gibt etwas zu verstecken. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.5.2011)