Sanaa - Beim gewaltsamen Vorgehen jemenitischer Sicherheitskräfte gegen regierungskritische Demonstranten sind erneut mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Allein in der Stadt Taiz etwa 250 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa wurden am Montag drei Demonstranten getötet und Dutzende verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Auch in der nahen Stadt Ibb wurden Menschen bei einer Solidaritätskundgebung beschossen.

In Taiz gingen die Sicherheitskräfte laut Zeugen mit Tränengas und scharfer Munition gegen hunderte Demonstranten vor, die seit Sonntagabend mit einer Sitzblockade die Hauptstraße der Stadt besetzt gehalten hatten. Seit dem Morgen wurden sie demnach von tausenden weiteren Menschen unterstützt. Dutzende Verletzte wurden dem Arzt zufolge in ein nahes Krankenhaus gebracht. Etwa 15 Verletzte wiesen Schusswunden auf, drei von ihnen schwebten in Lebensgefahr.

Nach neuen Angaben der Sicherheitskräfte waren am Sonntag zudem zwei Demonstranten getötet und sieben Polizisten bei Protesten verletzt worden.

Mehr als 150 Opfer

Taiz hat sich in den vergangenen drei Monaten zu einer Hochburg der Proteste gegen Präsident Ali Abdallah Saleh entwickelt. Im Lauf des Montags beruhigte sich die Lage in der Stadt weitgehend, die Situation bleib aber angespannt. Aus der weiter nördlich gelegenen Stadt Ibb berichteten Zeugen, auch dort seien bei einer Kundgebung rund 15 Demonstranten durch Schüsse von Sicherheitskräften verletzt worden. Landesweit kamen bisher mehr als 150 Menschen ums Leben.

Der Golfkooperationsrat, ein Zusammenschluss aus sechs Golfstaaten, hatte im Vormonat einen Kompromissvorschlag vorgelegt, nach dem Saleh innerhalb von 30 Tagen die Macht an eine Übergangsregierung übergeben hätte. Der Plan war von beiden Seiten akzeptiert worden, doch Saleh überlegte es sich wenig später anders und zog seine Zustimmung zurück. (AFP, Reuters, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2011)