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Der weißrussische Interbankenmarkt soll lahmliegen: Der weißrussische Rubel kommt derzeit nicht besonders an - und das nicht nur bei den gestandenen Bauern.

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Moskau/Minsk - Weißrussland steckt schon seit Wochen in einer Währungskrise und hat deshalb bei Russland um einen Kredit über 1 Mrd. Dollar angesucht. Außerdem beantragte das Land weitere 2 Mrd. Dollar beim Krisenfonds der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG). Russlands Finanzminister Alexej Kudrin hat gestern, Mittwoch, dem Ansuchen eine Absage erteilt. Weißrussland kann sich seiner Ansicht nach nur aus dem EAWG-Krisenfonds finanzieren, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti.

Zu der 2000 gegründeten Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft gehören neben Russland und Weißrussland auch die zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan.

Medienberichten zufolge kaufen in Weißrussland immer mehr Menschen Devisen, um sich vor dem Wertverfall des weißrussischen Rubels abzusichern. Allein im März deckten sich die Weißrussen mit mehr als 700 Mio. Dollar ein. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es insgesamt 1,5 Mrd. Dollar. Laut einem Bericht der weißrussischen Statistikbehörde haben 600.000 Arbeitnehmer wegen des Devisenmangels einen Zwangsurlaub antreten müssen. Dies wurde vom weißrussische Gewerkschaftschef Leonid Kosik aber bezweifelt.

Verlängerter Urlaub

"Ich habe diese Zahl nicht gesehen, offiziell gibt es sie nicht. Ich denke nicht, dass sie wirklich so hoch ist", sagte Kosik. Nach seiner Darstellung hat einfach ein Teil der weißrussischen Unternehmer "beschlossen, sich einen verlängerten 1.-Mai-Urlaub zu gönnen". Er gestand ein, dass durch die Devisenknappheit Unannehmlichkeiten für die Betriebe entstanden seien. "Diejenigen, die Devisen brauchen, verdienen diese auch in der Regel selbst", meinte der Gewerkschaftschef.

Indessen kündigte die weißrussische Notenbank an, den Wechselkurs des weißrussischen Rubels nicht mehr zu unterstützen: Die Vorschrift an die Banken, die Devisen an die Bevölkerung mit maximal 2 Prozent Abweichung vom amtlichen Wechselkurs zu verkaufen, fällt ab 12. Mai weg. Der Kurs des weißrussischen Rubels in den Wechselstuben dürfte dann in wenigen Tagen bis auf den Börsenwert sinken, berichtete die russische Zeitung "Kommersant". Experten sehen nur zwei Auswege für Weißrussland: Entweder den Verkauf von Staatsbeteiligungen oder die Senkung des Wechselkurses der Währung.

Zweifel am Wechselkurs

Mitte April lag der amtliche Wechselkurs des weißrussischen Rubels bei 3.044 Rubel für einen Dollar. Notenbank-Chef Anatoli Moros hält einen Kurs 3.800 Rubel pro Dollar für gerechtfertigt. Nach Einschätzung der Bank Renaissance Capital müsste dieser aber zwischen 4.000 und 4.300 Rubel pro Dollar liegen.

Laut der russischen Zeitung "Wedomosti" ist der weißrussische Interbankenmarkt lahmgelegt: Es gebe kaum Angebote für den weißrussischen Rubel - und wenn, dann zu einem deutlich schlechteren Kurs. Im Land gebe es kaum mehr ausländische Devisen, der Markt sei in Panik geraten, urteilte der Präsident des weißrussischen Forschungsinstituts Mises-Zentrum, Jaroslaw Romantschuk. Alle warten auf den Absturz des Rubel-Wechselkurses, und niemand wagt, ausländische Währungen zu verkaufen.

In Weißrussland sind u.a. die Telekom Austria mit ihrer Tochter Velcom und die Strabag tätig. (APA)