Innsbruck/Meran/Wien - Viele Krebsarten haben ein gemeinsames Merkmal: Die Tumorzellen tragen ein bestimmtes Protein namens EpCAM vermehrt an ihrer Oberfläche. Daher wird versucht, Medikamente zu entwickeln, die diese Zellen gezielt angreifen. Seit kurzem ist ein neuer gegen EpCAM gerichteter Antikörper in Europa auf dem Markt, mehrere sind derzeit in der klinischen Testung. Diese Immuntherapien wirken naturgemäß nur bei Patienten, deren Krebs EpCAM-positiv ist. Doch welche Patienten auf EpCAM getestet werden sollten und welches Verfahren sich dafür eignet, war bisher unklar. Jetzt haben Wissenschafter des Innsbrucker Krebsforschungszentrums Oncotyrol eine mögliche Entscheidungshilfe entdeckt.

Analyse von Gewebeproben

Die Forscher werden ihre Ergebnisse - so eine Aussendung am Freitag - Ende Mai auch auf der Internationalen Konferenz für Klinische Onkologie (IRCC) in Turin als Poster präsentieren. Der Hintergrund: Forscher um Gilbert Spizzo vom Krankenhaus Meran in Südtirol in Italien haben mehr als 2.000 Gewebeproben von verschiedenen Tumoren und Metastasen mit einem Verfahren namens Immunhistochemie analysiert.

Die Immunhistochemie weist Proteine durch Antikörperfärbung nach. Durch die Färbung kann man sehen, wo in einem Gewebeschnitt das gesuchte Protein vorhanden ist und in welcher Intensität. Dieses Verfahren wird heute noch nicht routinemäßig zur EpCAM-Diagnostik eingesetzt. Nun konnten die Oncotyrol-Wissenschafter zeigen, dass es sich insbesondere bei Bruskrebs, Nierenkrebs, Leberkrebs und Blasenkrebs gut eignet.

"Die Immunhistochemie ist einfach durchzuführen, nicht sehr teuer und kann in jedem pathologischen Institut erfolgen", sagte Spizzo. Da in Zukunft mehrere neue EpCAM-Antikörper auf den Markt kommen werden, sei es wichtig zu wissen, welche Rolle dieses Nachweisverfahren bei der Diagnose und der Therapiewahl spielen könne, so der Wissenschafter. Der Nachweis von vermehrter EpCAM-Expression an der Oberfläche von Tumorzellen bei einem Patienten würde für die Anwendung einer Antikörper-Therapie sprechen und somit eine zielgerichtetere Behandlung ermöglichen.

Antikörpertherapie verringert Bauchwasser

Ein seit kurzem in Europa zugelassener EpCAM-Antikörper (Catumaxomab) wird derzeit bei Krebspatienten eingesetzt, die als Folge ihrer Erkrankung große Mengen von Wasser im Bauchraum ansammeln. Dieser sogenannte maligne Aszites (Bauchwassersucht) ist für die Patienten oft mit psychischen Belastungen, Schmerzen und Atemnot verbunden. Nach der bisherigen Standardtherapie muss das Wasser in häufigen Abständen in der Klinik durch Punktion abgelassen werden. Die Antikörpertherapie verringert die Ansammlung von Bauchwasser deutlich, hat aber auch Nebenwirkungen. Die neue Studie hilft Ärzten bei der Entscheidung, bei welchen Krebspatienten mit Bauchwasser ein EpCAM-Test durchgeführt werden sollte. (APA)