Wien - Im Mariazellerland geht am 7. Juni eine Ära zu Ende: Dann verstummt der allerletzte analoge TV-Sender in Österreich. Rund eine Million schauen inzwischen über digitalen Satellitenempfang, weitere 500.000 nutzen das terrestrische Signal über Hausantenne - ganz normal vom Sofa und in Zukunft mit integriertem Internet.

"Medienkonvergenz ist im Wohnzimmer angelangt", sagt ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer: Über eine Fernbedienung sollen Fernsehen, Abrufangebote, ORF-TVthek und Web mit internetfähigen Settopboxen zu bedienen sein.

Bis spätestens 2015 will die ORF-Sendertochter ORS so weit sein. Erster Schritt dorthin: Im Juli schreibt die Medienbehörde Komm-Austria die nächste Generation digitalen Fernsehens aus. Noch können Haushalte mit terrestrischem Empfang nicht mehr als sieben Programme sehen. DVB-T2 soll 2012 bis zu zehn Programme zusätzlich, Verbesserungen bei Empfang und Bildqualität bringen. Damit soll sich der Marktanteil terrestrischen Fernsehens von derzeit zwölf auf 15 Prozent erhöhen.

Deutsche HD-Kanäle gewinnen will die ORS für kostenpflichtigen Satellitenempfang. Eine Bereitstellungsgebühr über 50 Euro jährlich in Deutschland nennt ORS-Sprecher Michael Weber als vergleichbare Größenordnung. Mit der ORF-Gesetznovelle wickelt die Tochter von ORF und Medicur kommerzielle Geschäfte nunmehr als ORS Comm ab.

Digitalem Radio stand die Medienbehörde stets abwartend gegenüber. Die ORS will nun in einer digitalen Allianz mit Privatradios die Skeptiker überzeugen. Ein Testbetrieb ist noch in diesem Jahr geplant. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.5.2011)