Innsbruck - Enttäuscht sei sie, sagt die mittlerweile pensionierte ORF-Journalistin Christine Jentsch. Immerhin sei sie in den vergangenen Jahren oft genug in der hauseigenen Personalabteilung und unter fachkundigen Juristen gesessen: "Keiner der Herren hat mir gesagt, dass es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes zum Thema 'Zwangspensionierung wegen Alters- und Geschlechtsdiskriminierung' gibt. " Daher unterschrieb Jentsch eine einvernehmliche Kündigung zum Jahresende 2010. Zu diesem Zeitpunkt war sie 63,5 Jahre alt.

Diese Unterschrift wird Jentsch vor Gericht nun zum Verhängnis. Am Arbeitsgericht Innsbruck hat sie ihren Prozess in zwei Instanzen verloren. Derzeit liegt ihr Fall wegen "Diskriminierung aufgrund des Geschlechts" beim Obersten Gerichtshof (OGH). "In Österreich musst du in Frühpension gehen. Wenn du gern arbeitest und auch länger arbeiten willst, musst du klagen", ärgert sich Jentsch.

Eigentlich hatte ihr Arbeitgeber sie bereits mit 59 Jahren in den Ruhestand schicken wollen. Doch Jentsch protestierte. Die 17 Ehejahre fehlten für die Pensionszeiten. Und im Vergleich zu männlichen Berufskollegen, die mit rund 4000 Euro in Pension gingen, wären ihr mit 60 knapp 1000 Euro geblieben. Sie habe gekämpft, weil es "eh schon egal war". Eigentlich sei diese "Feilscherei um Geld für Frauen aber unwürdig". Viele Männer, speziell in Medienunternehmen, würden erst deutlich über 65 in Pension gehen.

Rund 30 Jahre war Jentsch berufstätig, 22 davon werkte die gelernte Krankenschwester als Expertin für Gesundheitsthemen im staatlichen Fernsehen. Ihren Job habe sie geliebt, sagt sie. Würde sie morgen ihren Prozess gewinnen, würde die inzwischen 64-Jährige sofort das Mikro nehmen, sich vor eine Kamera stellen und den Verantwortlichen in Klinik und Politik auf die Finger schauen. (Verena Langegger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5. 2011)