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Der Unternehmenswert von Novomatic wird auf rund 3 Mrd. Euro geschätzt.

Foto: APA/Georg Hochmuth

Wien - Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic will sich in Österreich nicht nur für Automaten- und Casinokonzessionen bewerben, sondern interessiert sich auch für die Lotterielizenz, die noch heuer ausgeschrieben werden muss. "Wir schließen nicht aus, dass wir uns bewerben - allenfalls mit dem einen oder anderen Partner aus dem klassischen Lotteriebereich", sagte Generaldirektor Franz Wohlfahrt am.

Zuerst müsse man sich allerdings die Ausschreibungsbedingungen ansehen. Ob schon Gespräche mit Partnern im Gange seien? Es gebe "drei bis vier" Lotterieunternehmen, "die auf dem Weltmarkt relevant sind." Die Lotterielizenz beinhalte Marktsegmente, "die für uns interessant sein können", insbesondere VLTs (zentralvernetzte Spielautomaten) und Online-Gambling. Lieber wäre es Wohlfahrt gewesen, hätte man diese beiden Bereiche vom klassischen Lottogeschäft getrennt, wie er sagte.

Derzeit ist die Ende September 2012 auslaufende Lotterienlizenz in den Händen der Österreichischen Lotterien, das Internetportal win2day.at spielte der Noch-Monopolistin 2010 Umsätze in Höhe von mehr als 1 Mrd. Euro ein. Online-Zocken gilt als einer der am stärksten wachsenden Bereiche im Glücksspielsektor.

Im Finanzministerium ist man gerade dabei, ein Beratungsunternehmen zu suchen, das sich um die Abwicklung der Glücksspiel-Lizenzenvergabe kümmert. Nach dem Wechsel an der Spitze des Finanzministeriums bzw. der Ablöse des für Glücksspiel zuständigen Staatssekretärs Reinhold Lopatka (ÖVP) wird in der Branche befürchtet, dass sich die Vergabe (15 Casinokonzessionen sowie je eine Lizenz für Lotterien und Poker), die nach einem EuGH-Urteil vom September 2010 erstmals europaweit ausgeschrieben werden müssen, in die Länge zieht.

Wohlfahrt ist indes guter Dinge, dass der Plan hält, im Sommer oder spätestens Frühherbst mit der Ausschreibung zu beginnen. "Wir warten jetzt auf die Bedingungen", sagte der Novomatic-Boss. Er bekräftigte, dass sich sein Unternehmen für eine "möglichst hohe Anzahl" an Spielbanklizenzen bewerben will. Auch hofft Novomatic auf viele Bewilligungen für Automatensalons - jene Konzessionen werden bundesländerweise (jeweils bis zu drei) vergeben. Sollte Novomatic hier überall zum Zug kommen, werde man in Österreich "deutliche Investitionen" tätigen und neue Mitarbeiter aufnehmen. Im Jahresschnitt 2010 beschäftigte der Konzern, der sein Headquarters in Gumpoldskirchen hat, hierzulande mehr als 2.500 Mitarbeiter, weltweit waren es 10.544, inklusive der Schweizer Schwestergesellschaften ACE Casino Holding AG und C.S.C. Casino Systems Holding AG mehr als 17.000.

Börsegang möglich

Novomatic schließt einen Börsegang nicht aus. "Faktum ist, dass wir immer wieder nach Möglichkeiten suchen, unsere Finanzstruktur zu optimieren und unsere Kapitalmaßnahmen evaluieren", sagte Wohlfahrt. In den nächsten Jahren sehe das Unternehmen in einigen Segmenten großes Wachstumspotenzial, von daher sei man stets mit Banken und Vertretern der Finanzbranche in Gesprächen.

Ob ein Börsegang wie kolportiert schon im Herbst erfolgen könnte, wollte sich Wohlfahrt nicht entlocken lassen. "Es ist zu früh, Konkretes zu kommunizieren", weder zu Ort, Zeitpunkt und Volumen könne er sich heute äußern. "Sicher" sei, dass ein mögliches IPO "nicht von heute auf morgen" erfolgen könne.

"Nichts ausgeschlossen"

"Wir prüfen, wir haben keine konkreten Entscheidungen getroffen, wir schließen aber auch nichts aus."

Das "Format" hatte Anfang Mai berichtet, dass der Banken-Beauty-Contest bereits abgeschlossen sei. Mehrheitseigentümer und Unternehmensgründer Johann Graf hat den Gang an die Börse bisher stets abgelehnt.

Mit dem Kapitalmarkt haben die Niederösterreicher bereits Erfahrung, im Vorjahr wurden Anleihen in Höhe von 350 Mio. Euro begeben.

Der Unternehmenswert von Novomatic wird auf rund 3 Mrd. Euro geschätzt.

Casino in Peru

Novomatic möchte heuer außerdem um 10 Prozent wachsen. Insbesondere in Südamerika will das Unternehmen seine Position ausbauen. Derzeit sei man mit einem Partner in Verhandlung über den Betrieb eines Casino Resorts in Lima (Peru), sagte Generaldirektor Wohlfahrt. (APA)