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Österreichs Manager können wieder auf größerem Fuß leben - die Gehälter sind 2010 wieder gestiegen (im Bild: die Schuhe des größten Mannes der Welt und ein weiblicher Vergleichsfuß).

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Grafik: APA

Wien - Nach einer spürbaren Einkommensdelle in den Krisenjahren 2008 und 2009 sind die Managergehälter in Österreich im abgelaufenen Jahr wieder um fünf Prozent gestiegen. Generaldirektoren und Geschäftsführer verdienten 2010 durchschnittlich 186.000 Euro brutto - 140.000 Euro davon entfielen auf das Grundgehalt, 46.000 Euro auf variable Bestandteile, wie aus einer Umfrage unter etwa 550 Führungskräften hervorgeht. Manager der zweiten Führungsebene erhielten im Schnitt 110.000 Euro, Führungskräfte der dritten Ebene 80.000 Euro. "Die Einkommensverluste der vergangenen Jahre sind 2010 ausgeglichen worden - Boni werden wieder gezahlt", sagte Studienautor Felix Josef am Mittwoch vor Journalisten.

"Der österreichische Manager hat 2010 keine 20 Prozent Gehaltszuwachs erreicht, sondern liegt derzeit auf dem Niveau von 2008", betonte der stellvertretende Beiratsvorsitzende des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF), Karl Javurek, in Anspielung an entsprechende Medienberichte aus der Vorwoche. Die Gagen der Führungskräfte seien im Vorjahr erstmals seit 2007 wieder gestiegen - 2009 seien sie um sechs Prozent eingebrochen.

Männlich besetzte Führungsebenen

Inflationsbereinigt verdienten die Führungskräfte in der ersten Führungsebene heute laut Josef jedenfalls mehr als vor 30 Jahren. "In den Ebenen zwei und drei ist eine solche Entwicklung nicht feststellbar", konstatierte der Studienautor. Die Führungsebenen seien nach wie vor männlich besetzt. "Sie sind zwar ein bisschen weiblicher geworden, aber von einer Realverteilung in Relation zur Bevölkerung weit entfernt." Unter den Managern gebe es einen relativ hohen Anteil an Hoch- und Höchstqualifizierten, die meist eine wirtschaftliche Ausbildung absolviert haben. Einen MBA- bzw. Postgraduate-Abschluss weist mittlerweile fast ein Drittel der Führungskräfte aus.

Die Höhe des Einkommens "korreliert extrem" mit der Größe des Unternehmens. Bei weniger als 20 Mitarbeitern liegt die Jahresgage im Schnitt bei 111.000 Euro, bei über 1.000 Arbeitnehmern bei 334.000 Euro. Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 5 Mio. Euro zahlen knapp über 100.000 Euro für ihre Chefs - bei Umsätzen über 500 Mio. Euro liegen die Gehälter über 370.000 Euro.

2010 verdienten die Manager der obersten Führungsetagen brutto im Schnitt das 6,7-Fache des Medianeinkommens, das in Österreich bei 27.800 Euro lag. Manager der zweiten Führungsebene, also Abteilungs- und Bereichsleiter miteingerechnet, verdienten das 4-Fache, jene auf der dritten Ebene berücksichtigt das 2,9-Fache. Der Unterschied beim tatsächlichen Nettoeinkommen sei aber noch weitaus geringer, da die Steuerbelastung der höheren Einkommen höher anzusetzen sei. Vom Bruttogehalt gehe gleich einmal die Hälfte weg.

Dass die Vorstände der im Leitindex ATX der Wiener Börse erfassten Unternehmen das 41-Fache eines Durchschnittseinkommens bekommen, wie unlängst einer Studie der Arbeiterkammer (AK) zu entnehmen war, "entspricht nicht der Gehaltswirklichkeit der österreichischen Führungskräfte", so Josef.

Beteiligung der öffentlichen Hand verspricht hohe Einkommen

Die höchsten Einkommen erzielen Manager bei börsenotierten Unternehmen, an denen die öffentlichen Hand beteiligt ist. Die Jahresgage erreichte hier im Vorjahr auf der ersten Ebene 320.000 Euro. Wer in einem Unternehmen der öffentlichen Hand ohne Börsenbeteiligung arbeitete, verdiente in der gleichen Position weniger als die Hälfte (147.000 Euro).

Der Einkommensunterschied zwischen einem Geschäftsführer eines multinationalen Konzerns und eines österreichischen Unternehmens sei 2010 wieder kleiner geworden, nachdem er sich 2009 extrem ausgeweitet hatte. "Die Österreicher haben viel stärker reagiert und 2009 deutlich stärker weggeschnitten", erläuterte Josef. Generell sei der Vergleich der heimischen Managergagen mit den internationalen aber schwierig, da die Einkommensteuersätze, die Sozialversicherungsbeiträge und die Lebenshaltungskosten zu stark von einander abwichen. (APA)