Wien - Pro Jahr erkranken in Österreich etwa 4.600 Frauen an Brustkrebs, rund 1.500 sterben daran. Seit Jahren wird über die Einführung eines geregelten Brustkrebs-Screening-Programms geredet und gestritten. Jetzt könnte es bald soweit sein. "Die Verhandlungen laufen gut. Wir brauchen aber in allen Bereichen Beweglichkeit. Die Tarife bei den Radiologen sind noch ein offenes Thema", sagte jetzt der in dieser Frage für den Hauptverband der Sozialversicherungsträger federführende Verhandlungsleiter, Manfred Brunner (Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse).

Bei der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) ist man allerdings noch etwas zurückhaltend. "Wir können die Gespräche bestätigen. Für die ÖÄK handelt es sich allerdings um ein Gesamtpaket das sehr komplex ist und die Anforderungen an die Radiologie erheblich erhöht. Es ist daher keineswegs bereits 'alles in Butter'. Die Gespräche können auch jederzeit scheitern", hieß es bei der Bundesfachgruppe Radiologie der Kammer.

Die Vorgeschichte: Nach langen Verhandlungen waren die Diskussionen durch heftige Einwände seitens der österreichischen Radiologen wieder aufgeflammt. Sie hatten unter anderem die Etablierung von nur wenigen Untersuchungszentren in Österreich und das Wegfallen vieler zusätzlicher Ultraschalluntersuchungen und damit eine Verschlechterung der gegenwärtigen Situation befürchtet.

EU fordert dieses Programm

Dem - so Brunner - ist nicht so: "Es ist dringend an der Zeit, dass in Österreich ein flächendeckendes und qualitätsgesichertes Brustkrebs-Screening-Programm umgesetzt wird. Wir sind in konstruktiven Verhandlungen mit der Österreichischen Ärztekammer, können aber dem Gesundheitsminister nicht vorgreifen. Gemeinsam mit den Radiologen werden wir auch einzelne Eckpunkte für das Qualitätsthema vorlegen."

Die Tarifverhandlungen für die Untersuchungen bei den Radiologen sollen laut dem Wunsch des Verhandlungsleiters möglichst bald positiv abgeschlossen werden. Spannend werde allerdings noch die Frage, wie sich Bund, Bundesländer und Sozialversicherung die Kosten aufteilen. Die EU fordert ein solches Programm, denn laut Experten könnte es die Brustkrebs-Sterblichkeit um 30 Prozent senken. Der Wiener Pionier für Brustgesundheit, der Gynäkologe Erwin Kubista (ehemals MedUni Wien) hat schon vor Jahren die Nichtexistenz eines standardisierten, österreichweit flächendeckenden und qualitätsgesicherten Programms in Österreich schlichtweg als "Schande" bezeichnet. (APA)