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Herzeigemanagement in der Krise und daher überproportionaler Aufschwung jetzt: Palfinger-CEO Herbert Ortner liebt, was er tut und wo er es tut.

Foto: Reuters/Prammer

Es ist in den vergangenen Jahren ein wenig schwieriger geworden, die Botschaft von Vorstandschefs zu glauben, nach der Mitarbeiter und Nachhaltigkeit in alle Richtungen die Leitwerte des Unternehmens seien. Bei Herbert Ortner, Vorstandschef des Kran- und Verladetechnikunternehmens Palfinger fällt es leicht - er tanzt aus der Reihe, weil er es trotz Gegenwinds der Börsianer vorgemacht hat.

Natürlich lässt er sich selbst dafür nicht loben und argumentiert mit der Eigentümerfamilie - sie hält 65 Prozent der Aktien - und ihrer Ermöglichung: "Die Familie will keine schnelle Dividenden-Optimierung, sie will auch keine kurzfristige Kursoptimierung", so Ortner. Dass er von Analysten nahezu beschimpft wurde, weil er nicht bereit war, in der Ära des billigen Geldes die Verschuldung zu erhöhen, ist aber auch Tatsache - die Familie scheint sich ihr Fremdmanagement also passgenau ausgesucht zu haben.

Die Ausgangslage Ende 2008 / Anfang 2009: Die Aufträge sind in den verschiedenen Geschäftsbereichen um 60 bis 80 Prozent eingebrochen. Von der Stammmannschaft in Österreich mit 1100 Köpfen wurden aber lediglich 92 abgebaut. Bewusst hat Palfinger dafür in der Bilanz fünf Mio. Euro Verlust in Kauf genommen - höchst ungewöhnlich für ein börsennotiertes Unternehmen. Ortner: "Es ging sowohl um soziale Verantwortung als auch um langfristiges wirtschaftliches Denken." 2009 war wohl bitter, der Lohn kam aber schneller als erwartet: kein Know-how-Verlust, keine Schäden in der Unternehmenskultur, besonders hohes Commitment der Belegschaft und eine Struktur, die unter "flexibel" läuft, aber langfristige Rahmen trägt. Etwa was die Lieferanten betrifft: Wer sich in der Krise als Partner erwiesen hat, ist jetzt beim fast schon unglaublichen Aufschwung dabei.

Rekorde in Aussicht

Dieser kurz in Zahlen umrissen: Mit rund 650 Mio. Umsatz für 2010 (=plus 29 Prozent) und einem Ebit von 35 Mio. Euro (nach fünf Mio. negativem Ebit 2009) ist nicht nur die Ergebnisverbesserung eine überproportionale. Nun stellen Analysten für die kommenden Jahre Rekorde in Aussicht.

Der Vorstandschef: "Wir waren in der Krise in einer gut vorbereiteten Situation - im Risikoportfolio der Banken rangierten wir ganz unten, wir hatten von diesen Seiten keinen Druck."

Ortner freut sich, nimmt es aber gelassen. Stolz allerdings ist er auf die durchgängige Flexibilisierung. Damit meint er nicht bloß Arbeitszeitmodelle. Palfinger hat rollierende Planung eingeführt - monatlich kommen aus 100 Ländern rollierende Planungen gemeinsam mit den Vertriebspartnern. Pro Quartal werden diese mit den Bereichsleitern im Headquarter besprochen und gemäß dem Trend finden Adaptionen und Vorbereitungen statt. Ortner: "Ohne Flexibilität wird es keine Nachhaltigkeit geben. Sich die alten Konjunkturzyklen zurückzuwünschen, das hilft nicht."

Eigentümerfamilie "lässt das zu"

Dieser Führungsansatz brauche viel Freiraum und Vertrauen in das gesamte Management - wieder beruft er sich auf die Eigentümerfamilie: "Sie lässt das zu." Hausverstand, Erfahrung und Bauchgefühl seien "harte" Währung bei Palfinger ebenso wie Zahlen und Fakten.

Trotz sehr ungewöhnlicher Good Practise: Auch Palfinger sucht (und findet kaum) Facharbeiter im Engineeringbereich sowie Werksleiter und Führungskräfte mit Mobilität für die Werke in "remote areas". Künftig noch viel mehr, denn Expansion in Russland und China stehen auf der Agenda. Da geht es um Akquisitionen, die Diversifikation (zuletzt in den Offshore-Windkraft-Bereich) sei abgeschlossen. Sollte für die Zukäufe frisches Geld nötig sein, so Ortner, werde die Familie Anteile abgeben - allerdings nie unter 50 Prozent gehen. Attraktiver Übernahmekandidat ist der Salzburger Weltmarktführer also weiterhin nicht. (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.5.2011)