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Die Demonstranten am Puerta del Sol-Platz heben die Hände - es ging um die Abstimmung, ob weiterhin am Platz verharrt werden soll.

Foto: REUTERS/Paul Hanna

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"Unsere Träume passen nicht in eure Wahlurnen", steht auf einem Schild auf dem Madrider Puerta del Sol-Platz geschrieben.

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Die spanische Bewegung für eine "Echte Demokratie jetzt!" soll auch auch nach den Regional- und Kommunalwahlen vom Sonntag weitergehen. Dies beschlossen unter brütender Sonne am Sonntagmittag tausende Menschen auf einer Versammlung des Protestcamps im Stadtzentrum Madrids. Sie wollen die Puerta del Sol "mindestens eine Woche länger" besetzt halten, um weiter für ihre Ziele einzutreten. In den nächsten Tagen sollen überall in Madrid Stadtteilversammlungen auf öffentlichen Plätzen einberufen werden, um noch mehr Menschen unter anderem gegen den Sozialabbau infolge der Krise, die Arbeitslosigkeit, die Korruption und für ein gerechteres Wahlsystem zu mobilisieren.

In Spaniens zweitgrößter Stadt, Barcelona, beschloss das dortige Camp bereits am Samstag, zwei Großdemonstrationen für die nächsten Wochen vorzubereiten. Am Sonntagabend sollte über die Zukunft des Camps selbst abgestimmt werden. Es galt als sicher, dass auch Barcelona weitermacht. In vielen anderen Städten Spaniens fanden am Sonntag ebenfalls Versammlungen statt. Aufgeben wird wohl auch hier keiner.


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Die Bewegung 15M, so genannt nach den Auftaktdemonstrationen am 15. Mai, fordert die Behörden mit der Entscheidung zu bleiben einmal mehr heraus. Bereits in der Nacht auf Samstag ignorierte sie ein Verbot aller Kundgebungen durch die Wahlkommission für das Wochenende. Überall in Spanien versammelten sich trotz Verbots zehntausende Menschen in den Camps. Allein in Madrid waren weit über 30.000 zum zentralen Platz Puerta del Sol gekommen. Viele verklebten sich Punkt Mitternacht den Mund. Der "stumme Schrei" - wie die Schweigeminute getauft wurde - endete in einem "Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden!"

Auf die Gebäudefassade der Madrider Regionalregierung wurde in mehreren Sprachen das Wort "Unidad" - "Einheit" - projiziert. Die "Spanish Revolution" , wie sich die Facebook-Mobilisierung nennt, postuliert ihren globalen Anspruch. In knapp 300 Städten - selbst im Ausland - hielten die Versammlungen das ganze Wochenende über an. Die Polizei schritt trotz Verbots nicht ein.

Längst haben sich die Protestcamps zu kleinen Städten ausgewachsen. In Madrid verfügen die Besetzer der Puerta del Sol über einen eigenen Sicherheitsdienst, die Respektkommission, wie sie ihn nennen, und über eine Müllabfuhr, die den Platz auch dann sauber hält, wenn wie am Wochenende Zehntausende kommen. Bibliotheken, Zeitungslesesäle, Kindergärten, Essensausgabe und medizinische Versorgung funktionieren dank der ständig zunehmenden Solidarität, die den Campierenden aus der Bevölkerung zu Teil wird. (DER STANDARD Printausgabe, 23.5.2011)