Bratislava - Die Stadt Vrutky im Norden der Slowakei will eine zwei Meter hohe Betonmauer bauen, um eine Siedlung der Roma-Minderheit von der Mehrheitsbevölkerung abzutrennen. Bürgermeister Miroslav Mazur begründete das Vorhaben am Montag im TV-Nachrichtensender TA3 mit den Beschwerden von Anrainern, die sich seit fünf Jahren immer stärker von den Roma belästigt und bedroht fühlten. Die Polizei sei mit der "Problemsiedlung" überfordert und selbst schon zum Ziel tätlicher Angriffe geworden.

In den vier städtischen Wohnhäusern sind offiziell 212 Menschen gemeldet. Inoffiziell leben dort aber weit mehr Menschen, ihre Zahl ist nicht bekannt. Trotz internationaler Kritik haben schon mehrere slowakische Gemeinden Mauern und Zäune gegen Roma-Siedlungen errichtet.

Rassismus wächst

In der Slowakei lebt Schätzungen zufolge nahezu eine halbe Million Roma. Das 5,4 Millionen Einwohner zählende Land hat damit gemeinsam mit Rumänien den höchsten Roma-Anteil. Nahezu die Hälfte der Roma wohnt in ärmlichen Hüttensiedlungen. Die Bewohner haben meist keine Aussicht auf eine geregelte Arbeit. Sie leben fast ausschließlich von staatlichen Sozialleistungen, aber auch von Kleinkriminalität.

Bemühungen um eine dauerhafte Integration erfolgten bisher nur zaghaft und ohne großen Erfolg. In der Mehrheitsbevölkerung hingegen wächst der Rassismus. (APA)