Der wegen Pädophilie in Italien verhaftete Priester Don Riccardo Seppia ist HIV-positiv und hat gestanden, seit Jahren kokainsüchtig zu sein. Sexuelle Begegnungen mit Minderjährigen hat der Pfarrer im Verhör aber bestritten. Hinter den abgehörten Telefonaten stecke nur "Fantasie und Prahlerei". Seppia, der nach Drohungen von Häftlingen um sein Leben bangt, wurde am Montag ins Gefängnis von San Remo verlegt.

Die Polizei hat indes in Genua auch einen früheren Seminaristen verhaftet, dem die Anstiftung Minderjähriger zur Prostitution vorgeworfen wird. Der 40-Jährige und Don Seppia unterhielten sich häufig am Telefon über ihre sexuellen Abenteuer. Ermittelt wird auch gegen einen 18-Jährigen, der beschuldigt wird, den beiden Minderjährige zugeführt zu haben. "Such mir einen Zehnjährigen, wenn möglich dunkelhäutig", so der Pfarrer in einem Telefonmitschnitt. "Schau dich bei drogenabhängigen Müttern um."

Kurie soll von Fällen gewusst haben

Indes werden Zweifel an der Behauptung des Genueser Erzbischofs Angelo Bagnasco laut, der Pädophilie-Skandal treffe die Kirche "wie ein Blitz aus heiterem Himmel". Ein Arzt erklärte der Zeitung Secolo XIX, Don Seppia habe bereits 1994 seine Kinder am Telefon mit sexuellen Äußerungen belästigt. Nach seiner Anzeige habe das Gericht die Abhörung von Seppias Telefon angeordnet und zweifelsfrei festgestellt, dass die Anrufe aus dessen Wohnung gekommen seien. Der Geistliche sei daraufhin versetzt worden.

Der frühere Genueser Pfarrer Piercarlo Casassa erklärte Ermittlern, er habe der Kurie vor 25 Jahren den Verdacht über den Seelsorger seiner Pfarre mitgeteilt. Angezeigt habe er ihn nicht, weil "konkrete Beweise" fehlten. (Gerhard Murmelter aus Rom, DER STANDARD-Printausgabe, 24.5.2011)