Paris - Im Berufungsverfahren gegen den früheren französischen Ex-Regierungschef Dominique de Villepin in der sogenannten Clearstream-Affäre hat die Staatsanwaltschaft am Montag 15 Monate Haft auf Bewährung gefordert. Villepin wird vorgeworfen, an einer Rufmordkampagne gegen Staatspräsident Nicolas Sarkozy beteiligt gewesen zu sein. Er war im Jänner 2010 zunächst freigesprochen worden. Damals hatte die Staatsanwaltschaft 18 Monate Haft auf Bewährung verlangt. Nach seinem Freispruch legte sie Berufung ein.

Zusammen mit Villepin sitzen erneut der ehemalige Vize-Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Jean-Louis Gergorin, und der EADS-Informatiker Imad Lahoud auf der Anklagebank. Sie sollen Kontenlisten der luxemburgischen Deutsche-Börse-Tochter Clearstream gefälscht haben und wurden deshalb in dem ersten Verfahren zu Haftstrafen verurteilt.

Gergorin bekam in erster Instanz 15 Monate Gefängnis, weil er die gefälschten Kontenlisten "mit dem Willen zur Manipulation" an die Justiz weitergab. Lahoud erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, weil er gestand, die Listen gefälscht zu haben. Für Gergorin und Lahoud fordern die Ermittler nun jeweils 30 Monate Haft, davon 18 beziehungsweise 15 Monate auf Bewährung.

Villepin soll von der Verleumdungskampagne gewusst und sie "durch sein Schweigen gebilligt" haben. Durch die Kontenlisten sollte der Eindruck entstehen, dass Sarkozy und andere Schmiergelder aus Waffengeschäften erhielten. Während Sarkozy im ersten Verfahren als Nebenkläger aufgetreten war, taucht er im Berufungsprozess, der bis Donnerstag dauern soll, nicht mehr selbst auf.

Sarkozy, der sich im Jahr 2012 vermutlich um ein zweites Mandat bewerben wird, hatte sich mit Villepin bei Frankreichs Konservativen über Jahre einen Machtkampf um die Nachfolge von Ex-Präsident Jacques Chirac geliefert. Der 57-jährige Villepin erwägt, im kommenden Jahr gegen Sarkozy für das Präsidentenamt zu kandidieren. (APA)