Wien - Vor einem Jahr, im Mai 2010, war Andreas Schwab, der Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), ein Mann der harten und präzisen Worte. "Die Verweigerung eines Dopingtests ist als positiver Dopingtest zu werten. Da fährt der Zug drüber."

Die Marathonläuferin Eva-Maria Gradwohl hatte zuvor Kontrolloren der Nada in Kroatien einen Test verweigert. Ein Verfahren wurde eingeleitet, Gradwohl kam dem Ergebnis zuvor und beendete ihre Karriere freiwillig.

Ein Jahr später hat mit Dinko Jukic erneut ein prominenter österreichischer Sportler mit einem verweigerten Dopingtest für einen Eklat gesorgt. Im Gegensatz zur 38-jährigen Leichtathletin, die ihre Verfehlung selbst eingestanden hat, kämpft der 22-jährige Wiener Schwimmer um seine Unschuld. Der zweifache Kurzbahn-Europameister hat seine Sicht der Dinge der Nada mittels einer Sachverhaltsdarstellung dargelegt. "Der Fall wird behandelt wie jeder andere auch", sagte Schwab diesmal und legte Wert darauf, dass der Fall Jukic nicht mit dem Fall Gradwohl verglichen werden kann. "Die Situation ist eine andere." Schwab "ist wichtig, dass Jukic nicht vorverurteilt wird. Es ist absolut nicht gesagt, ob er ein Vergehen begangen hat oder nicht."

Jukic, der am Dienstag vor einer Trainingseinheit im Wiener Stadionbad von zwei Kontrolloren zu einem unangekündigten Test gebeten wurde, begründete seine Weigerung mit mangelhaften sanitären Bedingungen - nicht im Bad, sondern bei der geplanten Durchführung der Blutabnahme. Der streitbare Sportler soll ins Treffen geführt haben, dass die Ärztin keine sterilen Handschuhe gehabt habe. Schwab wollte den Vorwurf nicht kommentieren, meinte aber: "Der Arzt trägt Handschuhe zu seinem eigenen Schutz, um sich nicht zu infizieren."

Infektionsrisiko soll auch der Grund dafür gewesen sein, dass Jukic den Test nach seinem zweistündigen Training im Wasser durchführen wollte. Die Kontrollore hätten das Bad aber 15 Minuten zuvor verlassen.

Im Anti-Doping-Bundesgesetz ist diesbezüglich eine "versäumte Kontrolle" genau definiert: "Versäumnis des Sportlers, an dem Ort und zu der Zeit innerhalb des 60-minütigen Zeitfensters, das er für diesen Tag angegeben hat, für eine Dopingkontrolle zur Verfügung zu stehen".

Sollten die Kontrollore also fehlerlos nach Protokoll vorgegangen sein, sieht es nicht gut aus für Jukic. Der Sportstudent steckt in der Vorbereitung auf die Langbahn-WM im Juli in Schanghai und gilt als Medaillenkandidat für Olympia 2012 in London. Wird er verurteilt, kann er sich beide Events aufzeichnen. Im schlimmsten Fall droht eine zweijährige Sperre.

Paul Schauer, der Präsident des Österreichischen Schwimmverbandes (OSV), will "die Sache ruhig und sachlich prüfen. Alles andere sind Spekulationen." Schauer habe bereits mit Schwab telefoniert, am Montag kommen die Berichte. Sollten sich die Befürchtungen bewahrheiten, wäre Schauer darauf gefasst. "Natürlich hätte niemand eine Freude mit einer Sperre. Aber eine derartige Bedrohung steht immer im Raum", sagte er dem Standard.

Die Geschichte freilich zeigt, dass verweigerten Dopingtests nicht immer Sperren folgten. Im April 2008 zog der deutsche Eishockey-Nationalspieler Florian Busch ein Essen mit seiner Freundin einem Test vor - und meldete sich 24 Minuten später beim Kontrollor. Das Ergebnis war negativ, Busch musste dem Eishockey-Bund 5000 Euro Strafe zahlen.

Am 7. Februar 2009 wurden Doping-Gerüchte gegen den Salzburger Kicker Andreas Ibertsberger laut. Der Legionär in Diensten von Hoffenheim kam mit Teamkollege Christoph Janker nach dem Spiel in Mönchengladbach zehn Minuten zu spät zur Kontrolle. Das Verfahren wurde eingestellt, weil "kein klassisches Dopingvergehen" vorgelegen sei. Der Klub wurde wegen Verstößen gegen Anti-Doping-Richtlinien zur Zahlung von 75.000 Euro verurteilt. (DER STANDARD Printausgabe, 28./29. Mai 2011)