Kairo/Teheran - Ägypten hat in der Nacht zum Sonntag einen iranischen Diplomaten festgenommen, wegen Spionage angeklagt und kurz darauf unter Hinweis auf seine Immunität wieder freigelassen. Der Mitarbeiter der ständigen Vertretung Teherans in Kairo habe angeblich unter den nach dem Umsturz im Februar neu entstandenen politischen Gruppen nach möglichen Bündnispartnern für den Iran Ausschau gehalten, berichtete die staatliche Web-Seite Egynews am Sonntag.

Das offizielle Teheran beeilte sich, den Vorfall herunterzuspielen. Man habe von der Festnahme des Diplomaten in Kairo "keine Kenntnis", hieß es in einer kurzen Stellungnahme, die am Sonntag vom Außenministerium in Teheran verbreitet wurde.

Beobachter vermuten hinter dem Affront Querschüsse aus dem alten Geheimdienst-Apparat, um die seit dem Sturz des Präsidenten Hosni Mubarak wieder freundlicher gewordenen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu torpedieren. Am letzten Mittwoch hatte der ägyptische Außenminister Nabil al-Arabi angekündigt, sein Land erwäge die Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen zum Iran.

Diese waren 1979 von Teheran nach der islamischen Revolution abgebrochen worden. Grund dafür war, dass Ägypten einen separaten Friedensvertrag mit Israel geschlossen und den von der Revolution entmachteten Schah aufgenommen hatte. Seit 15 Jahren strebt der Iran wieder eine Aufwertung der Beziehungen an, stieß aber bei Mubarak auf kein Gehör. (APA)