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Der Fahrzeugkonvoi auf dem Weg zum Flughafen. Ratko Mladic soll in dem weißen Geländewagen gesessen sein.

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Das Flugzeug wurde in Rotterdam sofort zu einem Hangar gelotst

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Der Hubschrauber bringt Mladic ins Scheveninger Gefängnis

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Belgrad - Der ehemalige Militärführer der bosnischen Serben, Ratko Mladic, dem schwerste Kriegsverbrechen und Völkermord zur Last gelegt werden, ist nach seiner Auslieferung durch die serbische Regierung an das UNO-Sondertribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY) in den Niederlanden eingetroffen. Das berichtet das niederländische Fernsehen am Dienstagabend. Das Flugzeug mit Mladic an Bord landete am Flughafen von Rotterdam.

Der 69-Jährige war am Donnerstag in einer kleinen Ortschaft in der Vojvodina festgenommen worden. Er wird insbesondere für das Massaker von Srebrenica 1995 verantwortlich gemacht, das als größtes Kriegsverbrechen in Europa seit 1945 gilt. Seine Männer hatten nach der Eroberung der ostbosnischen Enklave, die unter UNO-Schutz stand, 8000 muslimische Männer und Jugendliche ermordet. Der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, wurde bereits 2008 gefasst und muss sich seither vor dem Haager Sonderstrafgerichtshof verantworten.

"Serbien hat mit der Auslieferung von Mladic an das Haager Tribunal seine internationale und moralische Pflicht erfüllt. (...) Dass Mladic vor das Gericht gestellt wird, ist eine Genugtuung für die Opfer und ihre Familien, unsere Tat stellt auch einen Akt dar, der zur Versöhnung in der Region beiträgt", sagte die serbische Justizministerin Snezana Malovic. Malovic hat auch Ermittlungen gegen das Netz von Fluchthelfern Mladics angekündigt. Der ehemalige militärische Oberkommandierende der bosnischen Serben muss sich wegen Völkermordes verantworten, sogenannter ethnischer Säuberungen und des jahrelangen Beschusses von Sarajevo mit schweren Waffen.

Nach den Regeln des Tribunals muss Mladic unmittelbar nach seiner Ankunft in Den Haag vor Gericht erscheinen. Sein Anwalt Milos Saljic war auch in der Berufung bemüht, durch den Hinweis auf den Gesundheitszustand des Angeklagten die Auslieferung hinauszuzögern. Die Ärzte, die Mladic untersucht hatten, waren anderer Meinung. Er leide an mehreren chronischen Erkrankungen und den Folgen eines Gehirnschlags im Jahre 2008, einer Überstellung an das Haager Gericht würde dies nach ihrer Meinung aber nicht im Wege stehen. Das Belgrader Sondergericht für Kriegsverbrechen hatte am Freitag auf Basis dieses Gutachtens der Auslieferung in erster Instanz zugestimmt.

"Ihr habt Milosevic gewählt, nicht ich"

Laut früheren Medienberichten soll in den Augen von Mladic die ganze Schuld für die ihm zur Last gelegten Verbrechen beim verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic liegen. "Ihr habt Milosevic gewählt, nicht ich", erklärte Mladic am Freitag. Mehrere tausend bosnische Serben haben sich am Dienstag zu einer Protestkundgebung gegen die Festnahme Mladics in Banja Luka, dem Verwaltungszentrum der Serbischen Republik in Bosnien, eingefunden. Ihr einstiger Militärchef sei ein Held und kein Kriegsverbrecher, hieß es. Die bosnisch-serbischen Behörden wurden aufgefordert, die Verteidigungskosten für Mladic zu übernehmen.

Protest gegen deutschen Richter

In Sarajevo protestierten Angehörige und Verbände von Überlebenden des Genozids in Srebrenica gegen die Ernennung des Deutschen Christoph Flügge zum Vorsitzenden Richter im Prozess gegen den Ex-General. Der Berliner Ex-Justizstaatssekretär soll sich in einem Interview 2009 gegen die Einstufung der Tötung tausender muslimischer Männer und Burschen im Jahr 1995 als Völkermord geäußert haben. (red/APA)