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„Wenn sie (die ISAF) weiterhin unsere Häuser bombardiert, dann wird ihre Präsenz nicht mehr als Kampf gegen den Terrorismus gesehen, sondern als Einsatz gegen das afghanische Volk", mahnte Karzai am Dienstag vor Journalisten in Kabul.

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Kabul - Nach der versehentlichen Tötung mehrerer Kinder und Zivilisten bei Luftangriffen in Afghanistan hat Präsident Hamid Karzai die NATO in scharfem Ton gewarnt. Die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF müsse sofort aufhören mit den Bombardements von Wohnhäusern, oder das Militärbündnis werde als Besatzungsmacht betrachtet, sagte Karzai. „Wenn sie (die ISAF) weiterhin unsere Häuser bombardiert, dann wird ihre Präsenz nicht mehr als Kampf gegen den Terrorismus gesehen, sondern als Einsatz gegen das afghanische Volk", mahnte Karzai am Dienstag vor Journalisten in Kabul.

Die ISAF hatte sich für die versehentliche Tötung mehrerer Kinder und Zivilisten bei einem Luftangriff in der südafghanischen Provinz Helmand entschuldigt. Nach Angaben der Provinzregierung waren bei dem Bombardement in der Nacht zum Sonntag zwölf Kinder und zwei Frauen getötet worden. Der ISAF-Regionalkommandeur, US-Generalmajor John Toolan, sprach in einer Mitteilung von neun getöteten Zivilisten.

„Das afghanische Volk kann diese Angriffe nicht länger tolerieren", sagte Karzai. Er äußerte sich aber nicht zu möglichen Maßnahmen seiner Regierung, zunächst solle das Thema bei einem Treffen mit NATO-Verantwortlichen am kommenden Sonntag in Afghanistan erörtert werden.
Trotz der Präsenz von mehr als 140.000 internationalen Soldaten am Hindukusch nehmen Attacken der radikal-islamischen Taliban wieder zu. 2010 war das verlustreichste Jahr für die internationalen Truppen und afghanische Zivilisten seit dem Sturz des Extremistenregimes Ende 2001. Vor allem bei Luftschlägen und nächtlichen Einsätzen gegen Stellungen der Taliban kommt es immer wieder zu zivilen Opfern, was zunehmend Empörung auslöst. (APA/dpa)