Linz - Biennalen sind Machtinstrumente der Kunstverwerter. Martin Hochleitner, der Leiter der oberösterreichischen Landesgalerie, wirft mit der Linzer Ausstellung Proposals for Venice einen kritischen Blick auf die Biennale von Venedig und das wenig transparente österreichische Kommissärswesen.

Die Ausstellung zeigt parallel zur 54. Biennale sechs kuratorische Vorschläge für eine fiktive Bespielung des österreichischen Pavillons und geht der Frage nach modellhaften kuratorischen Konzepten abseits der gängigen Praxis nach. Eingeladen wurden dazu Kuratoren, die für eigenständige Zugänge bekannt sind.

Hemma Schmutz vom Salzburger Kunstverein hat kurzerhand Gesprächsrunden zum Thema einberufen. Erst danach lud sie Nicole Six und Paul Petritsch ein, für diese Situation eine Intervention zu schaffen: Ein sich langsam bewegender, verspiegelter Quader durchquert nun den Raum, verkleinert und vergrößert diesen innerhalb einer Stunde. Die Diskussionsteilnehmer werden deshalb gezwungen, in Bewegung zu bleiben, wenn sie den Gesprächsfluss aufrechterhalten wollen.

Kein Frustprojekt

Lisl Ponger ist Margarethe Makovecs (Rotor Graz) Vorschlag. Jede ihrer Fotografien ist eine zivilgesellschaftliche Forderung an den Nationalstaat Österreich. "Aus mit raus - Araksya muss bleiben!", fordert da eine Schülergruppe. So thematisiert und verkehrt Ponger die nationale Repräsentationsform auf der Biennale.

Keinesfalls sei die Ausstellung ein Frustrations- oder Gegenprojekt, so Hochleitner, vielmehr die Visualisierung eines ironischen Moments, in dem kulturpolitische Interessen und Machtmechanismen verhandelt werden sollen. Das erfüllt die Ausstellung: Alle sechs Vorschläge sind präzise künstlerische Beispiele eines weitsichtigen kuratorischen Anspruchs.

Der Mythos der Biennale von Venedig wird dadurch nicht gebrochen, wohl aber hinterfragt. Zusätzlich zeigt die Landesgalerie eine Dokumentation der Venedig-Biennalen seit 1948. (Wiltrud Hackl/DER STANDARD, Printausgabe, 1. 6. 2011)