Wien/Innsbruck - Wer Hus überlebt, ist nicht automatisch gesund: "Das ist nicht so wie eine Grippe, die einfach wieder vorbei ist", sagt Reinhard Würzner von der Uniklinik Innsbruck, wo gerade eine große Studie über Hus ausgewertet wird.

Das hämolytisch-urämische Syndrom, kurz Hus, ist die schwerste Komplikation, die bei einer Infektion mit Ehec-Bakterien auftreten kann. Etwa ein Viertel aller Patienten trägt langfristige Folgeschäden davon. Normalerweise sind bis zu drei Viertel aller Hus-Patienten Kinder und nur ein Viertel Erwachsene - bei dem aktuellen Stamm ist es genau umgekehrt. Weil Kinder aber bessere Regenerationsfähigkeiten haben als Erwachsene, könnten diesmal mehr Menschen Dauerschäden davontragen, fürchtet Würzner.

Die häufigste Langzeitfolge für Hus-Patienten sind Nierenschäden. Zwar müssen die Patienten nicht gleich an die Dialyse, ihre Nierenfunktion kann aber dauerhaft verringert werden. Ebenfalls klassisch sind Schäden des Gehirns, die zu ähnlichen Symptomen wie ein Schlaganfall führen können: Stottern, Zittern bis hin zu epileptischen Anfällen.

Ehec-Erreger schaden dem Körper doppelt: Einerseits setzen sie im Darm ein Gift frei, das über den Blutkreislauf verteilt wird und Zellen schädigt. Die Niere als Entgiftungsorgan ist besonders stark davon betroffen. Andererseits bringen die Bakterien das körpereigene Immunsystem dazu, überzureagieren und sich gegen den eigenen Körper zu wenden.

Eculizomab, jenes potenzielle Gegenmittel, in das Ärzte derzeit ihre Hoffnung setzen und das an der Universität Innsbruck mitentwickelt wurde, schaltet jene Teile des Immunsystems aus, die durch das Hus amoklaufen. Der Patient muss so nur mit dem Bakteriengift selbst klar kommen - was ihm das Leben retten kann. (tob/DER STANDARD, Printausgabe, 1. Juni 2011)