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Kinder lachen in Bengasi über den Diktator und zeigen auf ein Graffiti. Im bombardierten Tripolis wäre das undenkbar.

Foto: Rodrigo Abd/AP/dapd

Tripolis - Die libysche Hauptstadt Tripolis ist in der Nacht auf Mittwoch erneut von sechs schweren Explosionen erschüttert worden. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, überflogen Kampfflugzeuge die Stadt. Kurz darauf erfolgten zwei Explosionen, gefolgt von vier weiteren im Abstand von wenigen Minuten. Die Ziele der Angriffe waren demnach zunächst unklar.

Die NATO fliegt seit Mitte März fast täglich Einsätze gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi, um so Angriffe seiner Truppen auf Zivilisten zu verhindern. Zuletzt war auch mehrfach Gaddafis Residenz angegriffen worden.

Der Führung in Tripolis zufolge kamen bei den Angriffen der NATO bisher mindestens 718 Zivilisten ums Leben. 4067 weitere seien zwischen dem 19. März und dem 26. Mai verletzt worden, erklärte Regierungssprecher Moussa Ibrahim. Einen Machtverzicht Gaddafis schloss er erneut aus. Dies sei das "schlimmste Szenario" für das Land, sagte Ibrahim, der zugleich vor einem Bürgerkrieg warnte. Mit Gaddafi würde Libyen sein "Sicherheitsventil" verlieren.

Französische Diplomaten: Gaddafi betreibe Politik der verbrannten Erde

Allein im Großraum Tripolis sind nach Einschätzungen französischer Diplomaten in den vergangenen drei Monaten bis zu 10.000 Menschen getötet worden. Machthaber Muammar al-Gaddafi betreibe in der libyschen Hauptstadt eine Politik der verbrannten Erde, berichtete die regierungsnahe französische Zeitung "Le Figaro" unter Berufung auf diplomatische Kreise. Eine offizielle Bestätigung der Zahlen gab es zunächst nicht.

"Gaddafi will Schrecken verbreiten und jeden Aufstand im Keim ersticken", zitiert das Blatt einen Diplomaten. Etwa 20.000 Menschen seien bereits festgenommen worden. Es reiche aus, den in Katar ansässigen Nachrichtensender Al-Jazeera anzuschalten, um festgenommen zu werden.

Gaddafi benutze Häftlinge als menschliche Schutzschilder. In mindestens zwei Fällen seien Frauen auf Befehl vergewaltigt worden. Gaddafis Anhänger schreckten nicht einmal davor zurück, die Krankenhäusern zu plündern und zu verwüsten. So seien in manchen Krankenhäusern absichtlich Blutkonserven zerstört worden. Die Bevölkerung klage darüber, dass Telefongespräche abgehört würden. "Niemand traut sich mehr, etwas zu sagen", berichtet ein Diplomat.

Frankreich und Großbritannien hatten kürzlich beschlossen, im NATO-Einsatz gegen das Gaddafi-Regime und zum Schutz von Zivilisten Kampfhubschrauber nach Libyen zu schicken. Bisher gibt es keine offizielle Angaben, ob der Einsatz bereits begonnen hat. (APA)