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Justin Gatlin will nach seiner langen Sperre wieder sprinten.

Foto: AP/Mindaugas Kulbis

Eugene - Er hatte schon fast "lebenslänglich", befreit von allen Fesseln will US-Sprinter Justin Gatlin aber nun den Neustart wagen. Samstag, 12.15 Uhr Ortszeit in Oregon - alle Blicke werden sich im Leichtathletik-Mekka Eugene auf die Bahn 3 richten: Gatlin gibt sein Debüt in der Diamond League. Ob er die Premiere auch feiern kann, wird sich zeigen. Doch der "gelernte" Hürdensprinter will seine zweite Chance nutzen.

Ein knappes Jahr nach Ablauf seiner vierjährigen Dopingsperre am 24. Juli 2010 tritt der 100-Meter-Olympiasieger von 2004 erstmals bei einem großen Meeting an. Gegen starke Konkurrenz will der 29-Jährige wie einst unter zehn Sekunden laufen. Ganz flott, ganz legal, und zum zwölften Mal in seiner Karriere.

"Das Rennen ist stark besetzt - und es wird schnell", versprach Gatlin, der seine Bestzeit am 22. August 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen aufgestellt hatte. Jene 9,85 Sekunden waren damals Gold wert. Am 3. August 2010 war er erstmals nach seinem Doping-Bann wieder gestartet, seither aber nur zum "Warmlaufen" bei kleineren Meetings.

"Das ist jetzt ein ganz neuer Planet für mich. Als ich 2006 meinen letzten Wettkampf bestritt, gab es die Diamond League noch nicht", erklärte Gatlin, "ich will einfach nur rennen und den Leuten eine gute Show bieten." Gute Gegner hat "J.Gat", der aus dem New Yorker Stadtbezirk Brooklyn stammt, auf jeden Fall: Richard Thompson (Trinidad und Tobago), Nesta Carter und Michael Frater (beide Jamaika) sind alle schon unter zehn Sekunden gesprintet.

"Wir haben eine Philosophie in unserem Land: Wenn du deine Schulden an die Gesellschaft gezahlt hast, dann bekommst du eine zweite Chance", versicherte Tom Jordan, Meeting-Direktor der "Prefontaine Classic". Deshalb werde Gatlin seine zweite Chance bekommen.

Nur ein taktischer Schachzug hatte den Wiederholungstäter vor einer lebenslangen Sport-Sperre bewahrt. Gatlin wurde am 22. April 2006 bei einem Meeting in Kansas positiv auf Testosteron getestet, zuvor war er im College schon einmal des Dopings überführt worden. Er versprach, sich aktiv am Kampf gegen Doping zu beteiligen und trat als "Kronzeuge" gegen seinen umstrittenen Coach Trevor Graham auf.

Den Weltrekord vom Mai 2006 (9,77 Sekunden) gab er freiwillig ab, die Laufbahn des Doppel-Weltmeisters von 2005 schien beendet. Die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) suspendierte ihn für acht Jahre, Ende 2007 wurde die Sperre halbiert. (APA)