Bild nicht mehr verfügbar.

Ein von der staatlichen Nachrichtenagentur SANA am 1. Juni veröffentlichtes Bild, das Soldaten beim Begräbnis von Kameraden zeigt, die angeblich von "bewaffneten Terrorgruppen" getötet wurden. Das Regime bezeichnet die Demonstranten meist als Verbrecher oder Terroristen.

Foto: EPA/SANA/HANDOUT

Bild nicht mehr verfügbar.

"Möge Gott das Schweigen der Arabischen Liga brechen", steht auf diesem Plakat geschrieben. Das Bild soll in Kfar-Nebel in der nördlichen Provinz Edleb am Freitag aufgenommen worden sein.

Foto: Shaam News Network/AP/dapd

Damaskus/Jerusalem - Innerhalb der syrischen Armee soll es anscheinend eine Meuterei geben. In der Stadt Jisr al-Shughur seien heftige Kämpfe zwischen desertierten und loyalen Soldaten ausgebrochen, berichteten Augenzeugen am Dienstag.

Das syrische Staatsfernsehen vermeldete am Montagabend, dass 123 Soldaten in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze von "bewaffneten Banden" getötet worden waren. Mehrere Ex-Oppositionelle, die beim Transport der Verletzten in die Türkei helfen, sagten dagegen, die Soldaten seien von Angehörigen der Armee erschossen worden: Sie hätten sich geweigert, auf unbewaffnete Zivilisten zu schießen.

Syriens Innenminister Mohammed Ibrahim al-Shaar drohte, die Regierung werde "mit aller Härte" reagieren. Laut Medienberichten soll sich die gefürchtete 4. Brigade, die von einem Bruder des Präsidenten Bashar al-Assad kommandiert wird, bereits auf dem Weg in die Kleinstadt befinden. Viele Bewohner der Gegend flüchteten aus Angst vor der Rache des Regimes an die türkische Grenze.

Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera strahlte die Videoaufzeichnung eines jungen Soldaten aus, der sich auf die Seite der Demonstranten geschlagen hat. Er begründete den Schritt mit dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen Zivilisten und rief die Offiziere auf, es ihm gleich zu tun.

Am Montag sollen Hunderttausende Palästinenser durch Syriens Hauptstadt Damaskus gezogen sein, um die Toten der Zusammenstöße vom Sonntag bei den Golanhöhen zu betrauern.

Im Anschluss stürmten einige von ihnen das Hauptquartier der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP). Mindestens 14 Demonstranten sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Die Trauernden werfen der PFLP vor, die Proteste an der Grenze zu Israel organisiert und die jungen Männer aufgehetzt zu haben. Die tödlichen Zusammenstöße sollen Syriens Präsident Assad dienen, um von den Aufständen in Syrien abzulenken.

Seit Beginn der Proteste Mitte März sind nach Schätzungen 1300 Menschen getötet worden. Unabhängige Berichterstattung ist kaum möglich - internationalen Journalisten ist die Einreise nach Syrien verboten. (APA, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2011)