Sanaa/Riad - Dass sich Jemens Präsident Ali Abdallah Saleh in Riad von seiner Operation erholt, soll laut seinem Sprecher keinesfalls als Rückzug verstanden werden. Schon in wenigen Tagen wolle der Präsident an den Schauplatz des Machtkampfes zurückkehren.

Politische Beobachter rechnen damit, dass das saudische Königshaus sein Veto gegen diesen Plan einlegen könnte. "Aber die Saudis werden nicht im Alleingang über die Zukunft Salehs entscheiden", analysiert Ala Al-Hamarneh vom Zentrum für Forschung zur arabischen Welt der Universität Mainz. Es sei kein Zufall, dass sich Salehs Stellvertreter, Vizepräsident Abdel Rabbo Mansour, als erste Amtshandlung mit dem US-Botschafter getroffen hat. "Es wird eine Konsensentscheidung der USA und der Saudis sein, wie es politisch mit dem Jemen weitergeht", so Al-Hamarneh. Beide Länder haben großes, aber unterschiedliches Interesse, dass sich die Lage nach den Eskalationen der letzten Wochen stabilisiert.

Wollen die USA insbesondere allgemeine Sicherheit - auch im Hinblick auf den internationalen Schiffsverkehr - gesichert wissen, sei den Saudis die Vorstellung von jungen Revolutionären an der Macht ein Gräuel, so der Nahost-Experte. Das saudische Königshaus wolle keinen Elitenwechsel und würde daher die alte Opposition unterstützen.

Jugend fordert Übergangsrat

Die Jugend, die die Revolution mit ihren friedlichen Protesten lanciert hatte, feierte die Ausreise Salehs als Etappensieg. Ihre Wortführer schlagen die Bildung eines provisorischen Präsidialrates vor, in dem die wichtigsten nationalen Kräfte vertreten sind. Dazu eine Nationale Übergangsversammlung, in der vor allem jene Gruppierungen repräsentiert sein sollen, die sich für einen demokratischen Wandel stark gemacht haben. Die Demonstrationen und Sit-ins gehen weiter, bis die Ziele der Revolution erreicht sind.

Die Protestbewegung der Jugend ist mit der Intensivierung der militärischen Auseinandersetzung ins Abseits gedrängt worden. Viele hatten das Gefühl, die Revolution sei ihnen gestohlen worden. Andere Akteure mit anderen Interessen sind in den Mittelpunkt gerückt. Jetzt wird sich zeigen müssen, wie sich diese mächtigen Kräfte mit den jugendlichen Demokratie-Aktivisten arrangieren.

Unterdessen will Saleh offenbar früher aus Saudi-Arabien in seine Heimat zurückkehren als angenommen. Saleh werde bereits "in den kommenden Tagen" nach Sanaa zurückkehren, sagte Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi am Montag nach Angaben der amtlichen jemenitischen Nachrichtenagentur Saba. "Seine Exzellenz erholt sich gut", fügte Hadi demnach vor Vertretern der Regierungspartei hinzu. Aus saudi-arabischen Regierungskreisen war zuvor verlautet, Saleh werde nach zweiwöchiger Genesung in seine Heimat zurückkehren. (red/APA, afr, juh, STANDARD-Printausgabe, 7.6.2011)