Das Ende der Osterfestspiele konnte also abgewendet werden. Intendant Peter Alward hat in kürzester Zeit (mithilfe der Wiener Staatsoper, die Christian Thielemann von gewichtigen Verpflichtungen entband) einen Ersatz für die Berliner Philharmoniker gefunden. Und keinen schlechten: Die Dresdner Staatskapelle ist ein tolles Orchester und Thielemann ein markanter Dirigent, der sein Publikum hat. Auf Letzteres wird man jedoch inständig hoffen müssen. Die Festivalstruktur soll zwar auch 2013 unverändert bleiben. Dennoch muss erst bewiesen werden, dass der Weggang der Berliner nicht auch zur signifikanten Abwanderung jener zahlreichen Förderer führt, die das Festival bisher finanziell am Leben erhalten haben.

Des Weiteren muss Thielemann, der gerne geht, wenn ihm etwas nicht passt (Berlin, München), zeigen, dass er auch bei Stress Kontinuität zu bringen versteht. Außerdem wäre es schön, würde er sich nicht als deutscher Riccardo Muti entpuppen, der Regie nur duldet, so sie den Namen nicht verdient. Kurzum: Möge seine Musikqualität mit zeitgemäßem Theater verschmelzen. Dann könnte Salzburg zu strahlen beginnen. Dann könnte später auch zur sinnvollen Erweiterung eines Karajan-Uraltkonzepts geschritten werden, das mutige Programme wie auch finanzielle Stabilität erschwert. Es gehen die Berliner ja auch deshalb weg, weil sie die provinzielle Politik nicht zur finanziellen Unterstützung einer Strukturinnovation überreden konnten. (Ljubiša Tošić / DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2011)