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Eine Konsole, zwei Screens: Künftig werden portable und staionäre Geräte immer häufiger miteinander interagieren.

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Vollpreistitel dürften noch längere Zeit nicht aussterben, Free to play ist allerdings ein starkes Konszept, um Spiele populärer und in Summe lukrativer zu machen.

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Alternative Eingabemethoden öffneten den Markt für eine breitere Zielgruppe, künftig wird man Kinect, Move und Co. immer häufiger auch in so genannten Hardcore-Spielen eigebunden sehen.

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Smartphones und Tablets machen spezialisierten Spielehandhelds konkurrenz. Auf der anderen Seite machen leistungsstarke Geräte wie PS Vita typischen Heimkonsolen den Platz im Wohnzimmer streitig.

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Auf der diesjährigen E3 wuselt es nur so vor frischen Videospielkonzepten. Bewegungssteuerung und Spracheingabe erfassen langsam aber sicher auch traditionelle Werke und Blockbuster, Gratisspiele stellen eingefahrene Geschäftsmodelle in Frage, Inhalte werden nur noch gestreamt, Handhelds buhlen ums Wohnzimmer und Tablets werden zum Controller. Die Welt der Spiele steht vor einer neuen, lebendigen Ära, in der einst gesetzte Grenzen zunehmend verschwimmen.

Core goes Casual oder umgekehrt?

Mit der Einführung von alternativen Bedienkonzepten wie Bewegungssteuerung, Touchscreen und Spracheingabe öffnete sich der Videospielmarkt für eine breitere Zielgruppe. Dank EyeToy und Wii konnten plötzlich auch Großmütter und Nichtspieler mit Games interagieren. Heute versuchen Ansätze wie Kinect und PlayStation Move diese Idee weiterzuspinnen. Der Unterschied: Erstmals fließen derartige Konzepte vermehrt in traditionelle Genres ein. Typische Werke für die Controller-liebende Kernspielerschaft erweitern das Erlebnis mit alternativen Eingabemethoden. Das kommende SciFi-Abenteuer Mass Effect 3 etwa wird sich dank Kinect für Xbox 360 auch über Sprachbefehle navigieren lassen. Kameraden lassen sich so sprichwörtlich durch ein Schlachtfeld kommandieren. Das utopische Rollenspiel Bioshock Infinite wird sich indes mit PS Move steuern lassen und bei Nintendos kommender Konsole Wii U kann der Touchscreen-Controller als Zielvisier für Shooter dienen.

Portable Spielkonsolen werden zur Heimkonsole

Es klingt wie ein Paradoxon, aber Mobilität steht bei der neuen Generation an Handheld-Konsolen nicht mehr unbedingt im Vordergrund. Anstelle dessen trumpft Sonys PSP-Nachfolger PS Vita mit einem großen Screen, vielfältigen Eingabemethoden und Heimkonsolen-ähnlicher Rechenkraft auf. Das Design ist elegant und schlank, aber zu etwas zu groß um neben Handy und Geldbörse noch in die Hosentasche zu passen. Damit erinnert PS Vita mehr an einen Tablet, den man zwar im Rucksack oder der Handtasche mitnehmen kann, aber vorrangig in Ruhe zuhause, im Flugzeug oder im Hotelzimmer benutzt. Tatsächlich machen Vita, iPad und Co. Heimkonsolen mitunter den Platz in den heimischen vier Wänden streitig. Die grafische Leistung ist ausreichend für scharfe und effektreiche Spielewelten und per HDMI-Kabel oder Funk lässt sich das Bild sogar über den Fernseher ausgeben. Vielleicht wird in Zukunft keiner mehr eine PlayStation im TV-Kasterl stehen haben, wenn er sie auch in den Händen halten kann.

Ein Tablet als Spielcontroller

Nintendos Wii U zeigt mit einer Kombination aus Heimkonsole und Tablet-Controller in die gleiche Richtung. Spielinhalte, Filme oder Fotos können nicht nur am Fernseher, sondern über Funk auch auf dem Touchscreen-Gamepad ausgegeben werden. Damit lässt sich ein Game beispielsweise in ein anderes Zimmer mitnehmen oder Entwickler können die zusätzliche Anzeige zur Erweiterung des Interfaces verwenden - der WebStandard berichtete. Zumindest theoretisch lassen sich derartige Konzepte sogar auf bestehende Handhelds und Konsolen übertragen. PS Vita könnte etwa im Zusammenspiel mit der PS3 besagte Features umsetzen und Windows Phones mit der Xbox 360 kommunizieren. Es zeichnet sich jedenfalls ab, dass Spiele künftig über mehrere Bildschirme zugänglich gemacht werden.

Cloud-Gaming

Die Cloud ist ein überstrapazierter Marketingbegriff, doch man muss kein Trendforscher sein, um den künftigen Einfluss von Onlinediensten auf den Spielemarkt als dramatisch zu bezeichnen. Die aktuellen Bandbreiten von privaten Internetanschlüssen betrachtet, mögen revolutionäre Konzepte wie OnLive wie optimistische Zukunftsvisionen aussehen. Bis Spiele für die Masse wirklich verzögerungsfrei und in hoher Qualität von Servern direkt auf den Fernseher oder den Handheld gestreamt werden können, werden bestimmt noch Jahre vergehen. Die nächste Generation von Heimkonsolen wird Branchenexperten zufolge zumindest noch in Form von bekannten Spielkonsolen eingeläutet. Dennoch, die Richtung wurde bereits vor langer Zeit eingeschlagen. Zunächst bedeutet das, dass man etwa Spiecherstände online sichern kann oder die gesamte Spielkollektion nur noch per Download einkauft. Es sind erste, eindeutige Schritte.

Lukrative Gratisspiele

Browserspiele, Download-Games und Handyspiele öffnen den Videospielmarkt für Millionen von Menschen. Sie sind unmittelbar verfügbar, leichte Unterhaltung für zwischendurch und sehr billig oder gar kostenlos. Damit üben diese Art von Spielen zwangsläufig einen Einfluss auf den traditionellen Games-Markt aus. 79-Cent Werke für das iPhone stellen 40 Euro-Preise für DS-Games in Frage und Gratis-Shooter locken Kriegsspielen zum Vollpreis die Kundschaft ab. Insbesondere das "Free-to-play"-Konzept stellt bisherige Geschäftsmodelle auf den Kopf. Mit dem kostenlosen Einstieg in ein Online-Game soll gleich zum Start eine breite Kundenbasis aufgebaut werden, Einnahmen werden später durch den Kauf von Zusatzinhalten oder Spielhilfen lukriert. Ein Beispiel hierfür ist Ubisofts kommendes Mehrspieler-Kriegsspiel Ghost Recon Online, bei dem das Grundspiel gratis ist. Wer den Spielfortschritt verkürzen will und Unterstützung benötigt, kann dies durch den Erwerb von neuen Waffen oder anderen Gegenständen tun. Dabei handelt es sich um Mikrotransaktionen, die erst in der Summe den Umsatz auffetten. Tatsächlich sollen manche Spieler auf Dauer dadurch das zigfache eines üblichen Vollpreistitels für ihr präferiertes Gratis-Game ausgeben. Unter dem Strich sei es gut möglich, dass somit ein ursprünglich kostenloses Werk mehr einbringt, als ein kostenpflichtiges Spiel. "Diese Erfahrung haben wir gemacht", bestätig Ubisoft-CEO Yves Guillemont das Phänomen gegenüber dem WebStandard.

Eine Branche im Umbruch

Bei all den absehbaren Trends steht außer Frage, dass sich die gesamte Branche derzeit im Umbruch befindet. Neu erschlossene Zielgruppen müssen auf dauer gehalten werden, ohne dabei die loyale Kundenbasis zu vergraulen. Neue Eingabemethoden, frische Geschäftsmodelle und der Fokus auf Onlinedienste werden die Zukunft von Videospielen stark beeinflussen. Die Plattformwahl wird sich mit Konsole, Tablet und Handheld nicht vereinfachen, die Überschneidungspunkte verschwimmen jedoch zunehmend.

(Zsolt Wilhelm aus Los Angeles, derStandard.at, 9.6.2011)