Den Haag - In den Niederlanden sind Ehec-Bakterien auf Sprossen von Roten Rüben entdeckt worden. Dabei handle es sich jedoch nicht um die Variante, die für die Infektionswelle in Deutschland verantwortlich sei, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde am Donnerstag in Den Haag. Die Sprossen des niederländischen Agrarbetriebs seien auch nach Deutschland und Belgien geliefert worden. Die Sprossen würden vom Markt genommen, kündigte die Sprecherin an.

Trotz der weiterhin erfolglosen Suche nach der Ursache für die Epidemie in Deutschland mehren sich die Anzeichen für ein Abklingen der Krankheitswelle. In Hamburg als regionalem Schwerpunkt wurden von Mittwoch bis Donnerstag laut Gesundheitsbehörde 27 neue Fälle gemeldet. Ob sich die Quelle der Epidemie jemals eruieren lässt, ist überhaupt fraglich. "Wenn die Fallzahlen beim aktuellen Ehec-Ausbruch tatsächlich zurückgehen sollten, ist eine Aufklärung eher unwahrscheinlich", meinte der Wiener Lebensmittelmikrobiologe und -hygieniker Konrad Domig von der Universität für Bodenkultur am Donnerstag.

Salzburgerin stabil

Nach Bekanntwerden des ersten bestätigten Ehec-Falles in der Stadt Salzburg hieß es am Donnerstag weiterhin Warten auf die endgültigen Untersuchungsergebnisse aus Graz, ob es sich um den aggressiven Typs des Keims handelt. "Diese dürften voraussichtlich in den kommenden 24 Stunden einlagen", sagte Friedrich Hoppichler, Ärztlicher Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, am Donnerstagvormittag. Den Zustand der Patientin bezeichnete er als "stabil und nicht mehr lebensbedrohlich".

Die 82-Jährige aus dem Flachgau war am Montag ins Spital gebracht worden. Sie hatte starken Durchfall, sehr hohes Fieber und einen vollkommenen Flüssigkeitsverlust, "der Zustand war sicher lebensbedrohlich", so Hoppichler. Aufgrund der Testergebnisse stehe eindeutig fest, dass eine Erkrankung aufgrund eines Ehec-Keims mit den typischen Symptomen vorliege. Ob es sich aber um den in Norddeutschland grassierenden Subtypus handelt, an dem bisher 29 Menschen gestorben sind, wird die Toxinbestimmung in Graz zeigen. Außerdem sei bei der Frau noch ein anderer Keim festgestellt worden, sagte der Primar.

Kein Bezug nach Norddeutschland

Die Patientin sei nach der Einlieferung auf der Intensivstation isoliert und symptomatisch - etwa durch Fiebersenker und Infusionen - therapiert worden. Vor der Ehec-Erkrankung habe sich die Frau in einem ihrem Alter entsprechend guten Gesundheitszustand mit einigen Begleiterkrankungen befunden, sie lebte noch selbstständig zu Hause. Zumindest bis Anfang kommender Woche wird die Patientin auf der Isolierstation des Spitals bleiben.

Laut Hoppichler gibt es derzeit keinen Hinweis darauf, wie sich die Flachgauerin mit dem Keim angesteckt haben soll. Einen Bezug nach Norddeutschland hatte die Frau offenbar nicht.

Beim Amt für Öffentliche Ordnung des Magistrats Salzburg als zuständiger Behörde werde die Sache zurzeit noch als Verdachtsfall geführt, weil noch eine Bestätigung der Referenzzentrale Graz fehlt, ob es sich tatsächlich um den aggressiven Keim handelt, so Amtsleiter Michael Haybäck. In der Stadt Salzburg wurden in den vergangenen zwei Wochen bereits neun Verdachtsfälle gemeldet, acht davon haben sich laut Haybäck inzwischen als negativ herausgestellt, beim neunten handelt es sich um den Fall der 82-Jährigen. (APA)