Wien - Jeder zweite Autofahrer würde laut einer Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) trotz Rotlichts über eine Eisenbahnkreuzung fahren. 2010 haben sich 170 Unfälle an Bahnübergängen ereignet, bei denen 13 Menschen ihr Leben verloren. Anlässlich des heute, Donnerstag, stattfindenden International Level Crossing Awareness Days (ILCAD), dem Tag der Eisenbahnkreuzungs-Sicherheit, haben Verkehrsministerin Doris Bures, die ÖBB und das KfV bei einem Pressetermin in Wien den Startschuss für eine Informationskampagne gegeben.

"Es fehlt an Gefahrenbewusstsein", sagte KfV-Direktor Othmar Thann. "Beim Thema Eisenbahnkreuzung heißt es für uns, niemals locker lassen. Rot heißt 'Stopp'", ergänzte Andreas Matthä, Vorstandssprecher der ÖBB-Infrastruktur AG. "Eine sichere Infrastruktur ist bei Eisenbahnkreuzungen wichtig. 35 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren dafür investiert", betonte Bures.

Motive kennen

Wichtig wäre es laut Thann, die Motive dafür zu kennen, warum Autofahrer Warnsignale ignorieren. "Wir gehen von einer lokal eingeschränkten Gruppe aus", sagte der KfV-Direktor. "Wir vermuten, dass die meisten Opfer aus der Umgebung stammen und zu wissen glauben, wann der nächste Zug kommt." Es gebe derzeit drei Notwendigkeiten: erstens, die technische Absicherung, zweitens, die Bewusstseinsbildung und drittens, Sanktionen, sagte Thann.

Das KfV sieht in videoüberwachten Bahnübergängen ein geeignetes Mittel. Derzeit laufen zwei Pilotprojekte der ÖBB an einer Kamera überwachten Eisenbahnkreuzung in Eisenstadt und in Allentsteig in Niederösterreich. Die Projekte sind laut Matthä für mindestens ein Jahr angesetzt. Das KfV erwartet sich daraus Erkenntnisse über die Lenker. "Was wir nicht wissen ist, um welche Altersgruppe es sich handelt. Sind es Jugendliche oder Ältere?", so Thann.

Abschreckung

Kameras sollten nach Ansicht des KfV nach der Pilotphase an bekannt unfallträchtigen Kreuzungen angebracht werden. Sie seien günstiger als technische Absicherungen und wirken abschreckender als Schranken, meinte Thann. Die Idee sei ähnlich wie bei einem Radar, das Autofahrer vom Schnellfahren abhalten soll.

Verkehrsministerin Bures hat Mitte Mai die neue Eisenbahnkreuzungsverordnung in Begutachtung geschickt, welche klare Kriterien für die Sicherungsart von Kreuzungen vorgibt. Diese soll vom Verkehrsaufkommen der Straße, dem geltenden Tempolimit auf der Schiene und den Sichtverhältnissen abhängen. 1.700 Kreuzungen sollen in den nächsten zehn Jahren technisch aufgerüstet werden. Die Verordnung dürfte nach Wunsch der Ministerin im Herbst in Kraft treten. (APA)