Vergangenes Wochenende war ich auf Mallorca beim Ballermann. Der Ballermann ist ein gutes Reiseziel, wenn man wissen will, wo sich das deutsche Subproletariat am Sonnabend herumtreibt. Wenn man dann auch noch auf schmucke Tätowierungen und Songs wie Hu-Hu-Hubschraubereinsatz oder Ein Leben lang / dieselbe Unterhose an steht, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Tipp für alle Reisenden: Sollten Sie beim Alkoholkonsum mit den Ballermann-Besuchern mithalten wollen, empfiehlt es sich, eine Ersatzleber und einen Hepatologen Ihres Vertrauens mitzunehmen.

Doch vom Ballermann ein andermal mehr. Heute möchte ich lieber über das Faszinosum "Chorizo" sprechen. Chorizo, das ist jene fette Paprikawurst, die so spanisch ist wie sonst nur der Stierkampf oder Don Quichotte.

Die Chorizo ist scharf, die Chorizo ist rot, und die Chorizo ist eigenwillig. Die Art der internen Fettklotzverteilung ist völlig anders als bei einer Käsekrainer, selbstbewusster, aber auch erratischer, finde ich, was womöglich als Hinweis auf die reiche anarchosyndikalistische Tradition der Spanier zu lesen ist. Grandios auch die Rotfärbung der Chorizo, die dem gustatorischen Wursterlebnis eine unerwartete optische Note hinzufügt. Es würde mich nicht wundern, wenn Goya ein paar Rötelzeichungen mit Chorizowurst verfertigt hätte.

Eine weitere interessante Eigenschaft dieses schrumpelhäutigen Wurstoriginals: Wie etliche andere Lebensmittel sträubt auch sie sich gegen die Globalisierung. Eine Chorizo, die spanischen Boden verlassen hat und ins Ausland transferiert wurde, büßt auf der Stelle aus Kummer die Hälfte ihres Geschmacks ein. Das ist wie beim Croissant. Der natürliche Lebensraum des Croissants ist Frankreich, und obwohl ich immer wieder auf prätentiöse österreichische Bäcker stoße, die ihre Kipfeln als "Croissants" feilbieten, habe ich in Österreich noch nie ein Croissant gegessen, das einem französischen Croissant auch nur entfernt geähnelt hätte. In Österreich ein Croissant zu essen ist so, als bestellte man in einer Suppenküche in Kuala Lumpur ein Burenhäutl.

Falls Sie noch nicht wissen, wohin im Urlaub, rate ich Ihnen, nach Palma de Mallorca zu fahren und eine, nein: viele Chorizos zu essen. Gesünder als eine Gurke ist die Chorizo ohnehin. Der Keim, der es mit dieser stolzen Wurst aufnehmen könnte, ist noch nicht erfunden worden. (DER STANDARD/ALBUM 11./12./13.5.2011)