Düsseldorf (APA/dpa) - Für die Ehec-Fahndung sollen Verbraucher auch weiterhin verdächtige Sprossenpackungen an die Behörden übergeben. Dazu rief der Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen am Samstag in einem WDR-Interview auf, nachdem auf Sprossen aus einem Mistkübel in Königswinter bei Bonn erstmals der gefährliche Ehec-Typ O104 nachgewiesen worden war.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum dieser Sprossen war der 14. Mai. Remmel sagte, es sei zwar wahrscheinlich keine Ware aus dieser Zeit mehr im Verkehr. "Aber wir wollen darauf hinweisen, dass man sich die Waren mit hoher Aufmerksamkeit anschaut und die Tüten zu den Gesundheits- oder Veterinärbehörden bringt."

Lieferkette weiterhin unklar

Remmel bedankte sich bei dem Familienvater, der die Sprossen übergeben hatte. Er hatte keine Sprossen gegessen und blieb gesund, während seine Frau und seine Tochter schwer erkrankten. Das ist für die Behörden das wichtigste Indiz, dass die Sprossen schon mit Ehec verseucht waren, als sie gekauft wurden, und die Erreger nicht erst im Müll in die Tüte gelangten.

Die Lieferkette vom verdächtigen Biohof in Niedersachsen nach Königswinter sei weiter unklar, sagte Remmel. "Darüber wissen wir zurzeit nichts, weil die beiden, die wir fragen könnten, so schwer erkrankt sind, dass sie nicht befragbar sind."

Erneut Bakterien auf Sprossen in Holland entdeckt

In den Niederlanden sind bei einem weiteren Agrarbetrieb Ehec-Bakterien auf Sprossen von Roter Rüben entdeckt worden. Wie bei dem ersten Fund vor wenigen Tagen handele es sich aber nicht um den gefährlichen Typ O104:H4, der die Infektionswelle in Deutschland ausgelöst habe, teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag am Samstag mit. Es ordnete zugleich die Vernichtung der betroffenen Sprossen beim Lieferanten sowie im Handel an.

Zur Warnung für Verbraucher veröffentlichte die zum niederländischen Agrarministerium Haag gehörende Behörde für Lebensmittel und Warenprüfung (VWA) auf ihrer Website Etiketten der betroffenen Sprossen-Produkte. Um welchen konkreten Ehec-Typ es sich dabei handelt, blieb zunächst unklar. (APA)