Brüssel/Wien - Trotz Widerstands aus der Europäischen Zentralbank (EZB) mehren sich die Stimmen für eine sanfte Umschuldung Griechenlands. Daran führe kein Weg vorbei, wenn das Land vor der Pleite bewahrt werden solle, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Wochenende. "Es wird eine sanfte, freiwillige Umschuldung geben müssen", erklärte Juncker. Der luxemburgische Ministerpräsident nannte kein Volumen für ein neues Hilfspaket. In Kreisen der Eurozone hatte es geheißen, das Finanzloch betrage etwa 120 Milliarden Euro.

Wie Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble plädierte Juncker erneut für eine Beteiligung privater Gläubiger. Deutsche Privatbanken signalisierten Entgegenkommen, auch französische Banken sollen grundsätzlich bereit sein, Griechenland Zahlungsaufschub zu gewähren.

Eine harte Umschuldung, die einem teilweisen Schuldenerlass gleichkäme, wird es laut Juncker aber nicht geben. Für eine sanfte Umschuldung unter Einbeziehung privater Gläubiger müsse auch die EZB ins Boot geholt werden. Diese wehrt sich gegen jede Lösung, die nicht freiwillig ist.

Heute, Dienstag, kommen die Finanzminister der Eurozone zu einer Sondersitzung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Wie Diplomaten am Pfingstmontag in Brüssel berichteten, planen die obersten Kassenhüter eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Unterstützung für den Schuldensünder bekräftigen wollen. Es soll alles getan werden, um die Stabilität des gemeinsamen Währungsgebiets zu sichern. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mahnte, weder dürfe Deutschland "einen unkontrollierten Bankrott eines Landes zulassen", noch etwas tun, was den Aufschwung weltweit gefährde.

Klare Worte kommen von Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Ob man ein zweites Hilfspaket für Griechenland schnüren werde und wie, darüber werde gerade diskutiert. "Es ist meine Intention, dass wir das Geld zurückbekommen. Alle die da von Haircut oder In-Konkurs-gehen-Lassen träumen, denen sage ich: mit mir nicht. Weil ich will den Österreichern sagen, dass wir alles mit Zinseszinsen zurückbekommen." Daher müsse man Modelle kreieren, die Griechenland auf die Beine bringen und die schützen, die Geld geliehen haben, sagte Fekter zum Standard.

Weitere Rating-Herabstufung

Die Lage spitzt sich indes immer stärker zu. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Bonität von Griechenland um drei Stufen von B auf CCC herab. Auch der Ausblick sei negativ. Die CDS (Ausfallversicherung) für griechische Staatsanleihen stiegen am Montag laut dem Datenanbieters Markit auf ein Allzeithoch von 1575 Basispunkten. Die Versicherung eines zehn Mio. Euro schweren Bond-Paketes kostet bereits 1,575 Mio. Euro. (Reuters, as, DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2011)