Salzburg - Manch internationaler Star, etwa Jazzgitarrist John Abercrombie oder Pianistin Aki Takase, mag sich gewundert haben, nach ausgiebiger Fahrt durch idyllische Wälder und an saftigen Wiesen vorbei auch noch in einer Scheune gelandet zu sein, um dort jedoch tatsächlich von etwa 800 Hörern begrüßt zu werden.

Es ist jedoch auch möglich, dass es sich längst herumgesprochen hat: Die Inntöne, ein in der Gemeinde Diersbach auf einem Bauernhof veranstalteter Event, ist einfach ein inhaltlich wie vom Ambiente her sehr charmantes und spezielles Festival. Da ist auch stilistisch allerlei möglich: Man hört Erinnerungen an die Scatkunst von Ella Fitzgerald (vermittelt durch die erfahrene Melba Joyce), hört raffinierte Quartett-Kammermusik von Joos/Schabata/Salesny/Preuschl. Und hört auch hitzig-zeitgemäße Reminiszenzen an die frühen 70er-Jahre:

Saxofonist und Bassklarinettist Klaus Dickbauer taucht zusammen mit Keyboarder Hermann Linecker und Drummer Peter Trautmüller in die Welt von Rock, Funk und Jazzrock, um die Stile dann modern umzuformen. Das ergibt sparsame, aber markante Kompositionen, die impulsiv mit Improvisationen belebt werden. Dickbauers ist der prägnante Echtzeitkünstler, der über große Technik zu großem, auch ins freie Spiel kippendem Ausdruck gelangt.

Ebenso impulsiv Saxofonist Azar Lawrence: Zwar geht es bei ihm um die 60er-Jahre mit besonderer Berücksichtigung der ekstatischen Stilistik eines John Coltrane. Was Intensität anbelangt, erwiesen sich Lawrence und Dickbauer jedoch als Verwandte. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe 14. Juni 2011)