Wien - Die wenigsten Österreicher kennen den Begriff der ärztlichen Hausapotheke beziehungsweise die dahinter liegenden gesetzlichen Regelungen. Doch mehr als 70 Prozent wollen die Beibehaltung des derzeitigen Systems, bei dem es auf den Kilometerabstand zwischen niedergelassenen Ärzten mit Hausapotheke zur nächsten öffentlichen Apotheke ankommt, wenn es um den langfristigen Bestand der ärztlichen Hausapotheke geht. Das ist das Ergebnis einer vom Österreichischen Apothekerverband von Oekonsult durchgeführten repräsentativen Meinungsumfrage.

Der Hintergrund: Seit Jahren - mit der vorerst letzten gesetzlichen Regelung zur Abgrenzung von ärztlichen Hausapotheken und öffentlichen Apotheken - tobt hier ein bis auf Wien praktisch österreichweiter Streit zwischen Ärzte- und Apothekerkammer. Das erfolgt vor dem Szenario der Landmedizin, wo in vielen Regionen durch Abwanderung etc. vor allem Hausarztpraxen auch auf die Umsätze aus den Hausapotheken angewiesen sind, wie die Ärztevertreter erklären. Auf der anderen Seite bietet eine öffentliche Apotheke natürlich ein Vollsortiment und zusätzlichen Service.

Streit um Kilometer

Ohne verschreibende Ärzte sind aber auch öffentliche Apotheken nicht wirklich sinnvoll. Im Speziellen streiten Ärzte und Apotheker vor allem um die Regelung, wonach eine bestehende ärztliche Hausapotheke innerhalb von sechs Kilometern Entfernung von einer öffentlichen Apotheke bei Übergabe der Praxis nicht mehr weiter bestehen darf.

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts, Joshi Schillhab, wertete in einer Aussendung die Ergebnisse mit 1.087 Probanden im Alter über 14 als "eindeutiges Votum für Vollapotheken". "Wenn allerdings eine öffentliche Apotheke nicht in zumutbarer Entfernung verfügbar ist, begrüßen die Patienten gerne die ärztlichen Hausapotheken", hieß es weiter.

Die Umfrage mit direkten Interviews wurde vom 10. bis 13. Mai dieses Jahres durchgeführt. Die Hauptergebnisse:

  • Geringes Spontanwissen zum Begriff "ärztliche Hausapotheke" der Bevölkerung: Nur 34 Prozent sagten, sie wüssten, was unter "ärztlicher Hausapotheke" zu verstehen sei.
  • Jeweils 93 Prozent der Befragten (mit und ohne Sachkenntnis) betonten die Existenz einer hervorragenden Medikamentenversorgung in Österreich bzw. sprachen von einer wohl begründeten Gesetzeslage.
  • 91 Prozent der Menschen (wiederum mit und ohne Sachkenntnis) halten ärztliche Hausapotheken für sehr wichtig am Land.
  • 74 Prozent der Bevölkerung meinen, dass ärztliche Hausapotheken zur Verbesserung des Einkommens der Mediziner der falsche Weg wären.

In Österreich gibt es 1.276 öffentliche Apotheken. Weiters existieren noch rund 900 ärztliche Hausapotheken. Deren Zahl ist in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesunken. (APA)