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Einige japanische Teeplantagen könnten bald brach liegen.

Foto: EPA/EVERETT KENNEDY BROWN

Tokio - Einige Plantagen in Japans berühmter Teeanbau-Provinz Shizuoka sollen den Verkauf radioaktiv belasteter Teeblätter stoppen. Wie die lokalen Behörden am Mittwoch bekanntgaben, wurden fünf Plantagen in Japans größter Teeanbau-Region aufgefordert, freiwillig den Vertrieb der Blätter einzustellen und die bereits ausgelieferten zurückzurufen.

Bei Untersuchungen waren dort in Folge des Atomunfalls im AKW Fukushima radioaktive Strahlen oberhalb der Grenzwerte gemessen worden. Die Behörden hatten 20 Plantagen in dem Anbaugebiet Warashina, 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima, untersucht. In Warashina war vor kurzem in getrockneten Teeblättern radioaktives Cäsium festgestellt worden.

Grüner Tee aus Japan wird in aller Welt für seine gesundheitsfördernde Wirkung hoch geschätzt. Der Bürgermeister der Provinzhauptstadt Shizuoka erklärte laut Medienberichten, er werde von der Zentralregierung in Tokio Schadensersatz verlangen. Japan hatte im vergangenen Jahr 83.000 Tonnen an getrockneten Teeblättern produziert. Davon entfielen 40 Prozent auf die Provinz Shizuoka. Die lokalen Behörden wollen nun weitere Strahlenmessungen vornehmen.

Erhöhte Werte auch bei Walen

Auch bei von japanische Walfängern im Pazifik getöteten Zwergwalen wurden Spuren von Radioaktivität entdeckt. Die beiden kürzlich vor der japanischen Nordinsel Hokkaido gefangenen Wale wiesen 31 beziehungsweise 24,3 Becquerel radioaktiven Cäsiums pro Kilogramm auf, erklärte ein Fischereibeamter am Mittwoch. Grund sei möglicherweise der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima.

Die Radioaktivitätswerte lägen aber weit unter dem kürzlich in Japan festgelegten Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Zudem gebe es keine Vergleichsdaten, mit denen festgestellt werden könnte, ob die gemessenen Werte höher als normal seien. "Wir werden die Entwicklung weiter beobachten", fügte der Beamte hinzu.

Seit dem schweren Erdbeben und anschließendem Tsunami am 11. März, wodurch das AKW Fukushima schwer beschädigt wurde, strömt radioaktives Wasser in den Pazifik. Die japanische Bevölkerung und Experten sind deshalb besorgt, dass sich radioaktives Material in langlebigen Lebewesen der Nahrungskette im Meer ablagern könnte. Die Regierung hat den Fischfang nahe des AKW verboten, zudem werden regelmäßige Proben bei Meeresfrüchten entnommen. Japan tötet Wale nach eigenen Angaben zu Forschungszwecken. Nach Auffassung des Landes ist der Walfang eine jahrhundertealte Tradition. Das Fleisch wird in Geschäften und Restaurants verkauft.

Dekontaminierungsanlage vor Inbetriebnahme

Unterdessen arbeitete der Betreiber der Atomruine, Tepco, weiter daran, eine Anlage zur Dekontaminierung von hochgradig verseuchten Wasser an diesem Freitag in Betrieb zu nehmen. Die Inbetriebnahme gilt als wichtiger Schritt bei der Bewältigung der Krise. Mit dem System sollen die großen Mengen hochgradig verseuchten Wassers gereinigt werden, die zur Kühlung der Reaktoren benötigt werden. Statt immer neues Wasser in das AKW zu pumpen, soll das verseuchte Wasser recycelt und zur weiteren Kühlung verwendet werden. Die verseuchte Brühe behindert die Arbeiten zur Instandsetzung der zerstörten Kühlsysteme des AKW.

Die japanischen Behörden haben indes am Mittwoch mit umfangreichen Strahlungsmessungen in Tokio begonnen. Die Werte würden an 100 Orten in der Hauptstadt aufgezeichnet, teilten die Behörden mit. Darunter seien Parks und Schulhöfe. Bisher war an nur einer Stelle gemessen worden.

"Wir wurden von Müttern dazu aufgefordert, die sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder machen", sagte ein Behördensprecher zu den neuen Maßnahmen. Die ersten Messergebnisse lagen im Normbereich. (APA)