Wien/Innsbruck/Graz - Es sei durchaus als "Alarmsignal zu werten" , wenn sich führende Grün-Politiker dermaßen kritisch - wie zuletzt in Standard-Interviews - über die Parteispitze äußern, sagt Politikberater Thomas Hofer. Die Kritik sei nachvollziehbar, denn mit den Aussagen von Grünen-Parteichefin Eva Glawischnig zum Zigarettenverbot sowie Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zu rücksichtslosen Radfahrern hinterlasse die Partei den Eindruck einer "Regulierungswut" .

Während die deutschen Grünen ein Rauchverbot in Schanigärten einfordern, hatte Glawischnig sogar eins draufgesetzt und ein Verbot von Zigarettenautomaten verlangt. Hofer: "Das mutet fast schon US-amerikanisch an." Glawisch-nig legt aber Wert darauf, dass sie kein Rauchverbot in Gastgärten gefordert habe.

Die neue "Law and Order" -Linie geht auch dem Tiroler Grünen-Chef Georg Willi gegen den Strich: "Es mag ja gut gemeint sein, aber mir graut vor einem Staat, der alles reguliert. Ich bin bei den Grünen, weil wir eine liberale Partei sind. Ich will in Freiheit leben und mit Genuss mein Glas Alkohol trinken. In Maßen." Jetzt entstehe das Bild, die Grünen kümmerten sich in einer Zeit großer politischer Herausforderungen nur um "Kinkerlitzchen" . Zudem sei "das Thema Zigarettenautomaten parteihierarchisch zu hoch aufgehängt" , sagt Politikberater Hofer.

"Ja, ich habe mich auch gewundert" , ergänzt die Grazer Grünen-Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. Es sei sicher kein Thema für Eva Glawischnig gewesen. Dass bei Radlern Reglements eingefordert werden müssten, dafür habe sie aber Verständnis. Rücker:"Wenn, dann müssen sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten." (Walter Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 16.6.2011)