Wien - Freitagnachmittag kontrollierte ein Team vom Landesstudio Wien die Sicherheitsvorkehrungen in den heimischen Kunstinstitutionen auf eigene Faust: Es versuchte im Zuge einer "Testreportage", ein Bild von Toulouse-Lautrec aus der Sonderausstellung im Museum Leopold zu entwenden. Doch die zwei Reporter wurden vom Aufseher ertappt. Daraufhin sollen sie ein Gemälde von Friedrich Gauermann von der Wand gerissen und dabei die Aufhängung beschädigt haben. Das Museum habe Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung erstattet.

Günther Kallinger, Pressesprecher des ORF, bestätigt auf Anfrage des STANDARD den Vorfall, erklärt sich aber für nicht zuständig, da die "Testreportage" nicht auf Sendung ging. Brigitte Wolf, Direktorin des Landesstudio Wien, war am Sonntag nicht erreichbar.

Mehrere Museumsdirektoren zeigten sich gegenüber dem STANDARD von diesem "Anschlag" entsetzt: Sie befürchten nach dem Raub der wertvollen "Saliera" aus dem Kunsthistorischen Museum weitere "Testdiebstähle".

KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel soll bereits Konsequenzen gezogen haben. Denn seit Samstag ist die Neue Hofburg, in der neben dem Völkerkundemuseum auch die Hofjagd- und Rüstkammer, die Sammlung alter Musikinstrumente und das Ephesos-Museum untergebracht sind, geschlossen. Laut Annita Mader, der Pressesprecherin, überprüfe man die Alarmanlagen. Einen Zusammenhang mit dem Vorfall im Museum Leopold wollte sie nicht bestätigen. Die Sammlungen werden am Mittwoch wieder zugänglich sein, das Völkerkundemuseum bleibt bis zur Eröffnung der Schau "Afghanistan" am 24. Juni geschlossen.

Trotz der vom KHM ausgesetzten Prämie von 70.000 Euro seien keine relevanten Hinweise über den Dieb der "Saliera" eingegangen, so Mader. Und auch Ernst Geiger, Leiter der Wiener Kriminaldirektion 1, musste eingestehen, dass es bisher keine heiße Spur gebe. Die Lage sei "aber nicht hoffnungslos", da noch nicht alle Ermittlungsansätze ausgeschöpft seien. Die Spurenauswertung könne noch immer neue Erkenntnisse bringen. Ziemlich sicher sei nur, dass die Nachtwächter als Verdächtige ausscheiden. (DER STANDARD, Printausgabe vom 19.5.2003)