Wien - Der Wahlkampf ist (fast) zu Ende, ab heute wird gewählt: 190.000 Studierende können ihre Vertreter in der Hochschülerschaft (ÖH) bis Donnerstag wählen.

An den Unis hat man eigentlich ganz andere Sorgen. Der Chef der Rektorenkonferenz und Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, schlug Montag Alarm: Die finanzielle Lage sei dramatisch. "Wir werden uns schon bald aussuchen können, ob wir Gehälter oder Mieten nicht mehr bezahlen können", warnte Winckler. Für heuer seien rund 100 Millionen Euro weniger vorgesehen als 2002. Völlig unklar, so Winckler, sei auch, wer für die Umsetzung des neuen Unigesetzes aufkomme. Alleine die Ausgliederung der medizinischen Fakultät in eine eigene Medizin-Uni schlage mit vier bis fünf Millionen Euro zu Buche. Dafür seien bisher keine Mittel vorgesehen.

Die von einzelnen Unis angekündigten (und vom Bildungsministerium kritisierten) Informationsversammlungen im Juni verteidigte der Rektorenchef. Das Personal solle über Einsparungen und Folgen informiert werden.

Auch ohne größere Ausgliederungen sieht der Rektor der Technischen Uni (TU) Wien, Peter Skalicky, dunkle Zeiten kommen. Vorläufig werde nichts anderes übrig bleiben, als das ständig steigende Personalbudget mit Eingriffen - etwa in das Sachkostenbudget - zu füllen. Aber nicht nur das Bildungsministerium bekam von Skalicky Kritik ab. "Blöder geht es nicht, ich nehme alles zurück, die Studenten sollen zahlen, bis sie schwarz werden", donnerte der über die Reaktionen der ÖH-Vertreter sichtlich verärgerte TU-Rektor. Die TU wird also doch keine Gebühren retournieren, wenn die Absolvierung von Lehrveranstaltungen nicht in der vorgesehenen Zeit gewährleistet werden kann.

Skalicky ist auch einer von 13 Rektoren, die Montag mit 13 ÖH-Vorsitzenden in einer "Gemeinsamen Erklärung" an Ministerin Elisabeth Gehrer gegen die geplante Reform der Studienförderung protestierten. Der Stundennachweis soll fast verdoppelt werden, was für Teilzeitstudierende de facto unmöglich sei.

"Geld zurück" gibt es indes ab nächstem Semester für Studierende, die länger als drei Wochen krank sind. Sie bekommen die Studiengebühr zurück, die ÖH-Versicherung, die mit dem ÖH-Beitrag eingezahlt wird, macht es möglich.

Für berufstätige Medizinstudenten soll es künftig abends und samstags Seminare geben. Die Wiener Studienkommission hat diesem Antrag des sozialistischen VSStÖ zugestimmt. (pm, nim/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 5. 2003)