Kairo - Der ranghöchste Theologe im sunnitischen Islam, der Großscheich der ägyptischen Al-Azhar-Universität, Mohammed Sayed al Tantawi, hat die jüngsten Selbstmordattentate von Riad und Casablanca scharf verurteilt. Die Anschläge in Saudiarabien und Marokko stellten einen Verstoß gegen die Gebote der islamischen Religion dar, sagte er laut einer Meldung der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA am Dienstag. Er wandte sich gegen einen Missbrauch der Religion. Islam, Judentum und Christentum strebten nach Liebe und Frieden.

"Heiliger Krieg" Pflicht eines jeden Moslems

Unmittelbar vor dem Irak-Krieg hatte der Großscheich erklärt, der "Heilige Krieg" sei die Pflicht eines jeden Moslems, wenn der Feind in moslemisches Gebiet eindringe. "Unsere arabische und islamische Nation wird von neuen Kreuzzügen heimgesucht , die sich gegen unser Land, unsere Würde, unseren Glauben und unser Vaterland richten". Als 43. Großscheich trat Tantawi 1996 sein Amt an. Vor seiner Ernennung war er Großmufti von Ägypten. Er hat in einer Reihe von Streitfragen, insbesondere betreffend Geburtenkontrolle und den Blasphemievorwurf gegen den britischen Autor Salman Rushdie, sehr moderate Standpunkte bezogen.

Einflussreiche "Al Azhar"

Liberale ägyptische Intellektuelle haben Al Azhar immer wieder vorgeworfen, durch ihre Stellungnahmen dem Terror von islamischen Fanatikern Vorschub zu leisten. So nahmen die führenden Theologen das Recht in Anspruch, liberale Schriftsteller wie Farag Foda und den Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfus als "Ketzer" zu brandmarken. Beide wurden von bewaffneten Fanatikern angegriffen. Al Azhar ist Moschee und Universität mit einem Netzwerk von knapp 2000 Schulen, 20 Zweiguniversitäten, rund 120.000 Studenten und mehr als 6000 Lehrkräften. Als höchste Instanz islamischer Rechtsprechung bestimmt sie mit ihren Fatwas (Rechtsgutachten) neben dem Koran maßgeblich soziale und ethische Belange von über 900 Millionen Moslems der sunnitischen Richtung. (APA/AFP)